Jagdfieber nach dem ultimativen Schätzchen

Jeder hat seine bevorzugten Nah- und Fernversorger, wenn es um Waren des täglichen Bedarfs (bei manchen fallen Bücher und Schuhe in diese Kategorie) oder Dinge geht, die man gern hätte. Es gibt Geschäfte, die mag ich einfach - sie sind schön gestaltet, die Verkäufer lassen mich in Ruhe schauen und sind bei Fragen kompetent und wissen, wie man Dienstleistung buchstabiert. Ich liebe Menschen, die wissen, wovon sie reden und die mir Geschichten über die Dinge erzählen können - also über den 0815 Tellerrand schauen. Gibt es nicht oft, wenn man lang genug sucht, trifft man sie im Handel - authentisch, bodenständig und doch mit einer besonderen Aura. 

Circa einmal im Jahr begebe ich mich jedoch in Jagdreviere, die ich nicht kenne - es ist ein wenig Abenteuerlust und die mich lebenslang begleitende Neugier nach Dingen mit Geschichte und den Menschen dahinter. Ich rede vom Handel im Halbdunkel unter freiem Himmel - dem Floh-, Antik- oder Trödelmarkt. Immer wieder erstaunt es mich, was da alles angeboten wird - dieses Erstaunen wird nur übertroffen von den Menschen, die jagen und sammeln, handeln und verhandeln. Ich werde aufgeklärt, dass man sehr früh da sein muß, wenn die Öffnungszeiten mit 8.00 Uhr angegeben werden, entlockt das dem Profi ein müdes Lächeln, zu dem ich mich um 4.30 Uhr in der Früh erst überwinde. Die ersten können aus dem besten Angebot wählen. Offensichtlich ist irgendwie alles erlaubt auf diesen Handelsplätzen, die sich schon mal über einige Hektar erstrecken können und auf denen sich die erstaunlichsten Typen aus Gegenwart und Vergangenheit herumtreiben.

Eines ist jedoch allen gemein - in ihren Augen leuchtet die Gier, von ihr sind sie angetrieben, wenn sie sich in aller Herrgottsfrühe mit Stirnlampe und Laufschuhen um die Angebote scharen. Gier in vielen Facetten....Neugier, Wissbegier und ja - auch die Habgier. Da wird gedrängelt und verhandelt,werden im Laufschritt mit Karren und Helfern die Schätze abtransportiert und an anderer Stelle einige Stunden schon wieder zum Verkauf angeboten... Da gibt es wirklich Trödel vom Dachboden und aus Verlassenschaften neben ausgesuchten Antiquitäten, Büchern, Möbeln und Sachen, die man nicht mal geschenkt haben möchte. Besondere Stücke wechseln etwas abseits im Flüsterton die Besitzer....

Zugegeben, ein ungewohntes Terrain - spannend ist es allemal. Ich liebe es, langsam über diese Megaplätze zu schlendern, Kurioses und Schönes zu entdecken und Dinge zu kaufen, die ich eigentlich nicht brauche. Das Beste allerdings sind die Gespräche, die ich mit den Verkäufern führen kann, die mir Geschichten - wahr und falsch erzählen, Preise verhandeln und ein Stück ihrer Lebensgeschichte preisgeben. Wenn die Füße schmerzen, kaufe ich mir eine rote Fassbrause (jaja, wir sind in Deutschland) und was zu essen - das ich schon als Kind mochte, setze mich irgendwo unter die Bäume an einen Tisch und genieße das Stimmengewirr um mich herum. Da wird gefachsimpelt und übertrieben, empfohlen und abgeraten, zu Eroberungen gratuliert und über die Zukunft spekuliert. Ein wenig fühlt es sich an wie Goethes Osterspaziergang...zufrieden jauchzet gross und klein - hier bin ich Mensch- hier darf ich's sein. An solchen Tagen bin ich mir ganz sicher - UND ALLES WIRD GUTh!

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