Neu verbaute Geschichte – ein Besuch bei SPOLIA

Zu Beginn dieses Jahres hat SPOLIA die offizielle Mitgliedsurkunde als WIEN PRODUCTS Mitglied entgegen genommen. Ich bin neugierig - plane einen Besuch und mache mich auf in den dritten Bezirk. Dort treffe ich Roland Hemedinger, den Kopf hinter diesem Projekt. Als modernes und junges Unternehmen ist man im Packhaus – einem Co-Working Space auf Zeit zu Hause. Wir sitzen in einem Besprechungszimmer – um uns herum Materialproben und Objekte, die Spolia hervorgebracht hat.

Befragt man das allwissende Wikipedia, so wird man aufgeklärt, dass Spolien (von lateinisch spolium: „Beute, Raub, dem Feind Abgenommenes“)Bauteile und andere Überreste wie Teile von Reliefs oder Skulpturen, Friese und Architravsteine, Säulen- oder Kapitellreste sind, die aus Bauten älterer Kulturen stammen und in neuen Bauwerken wiederverwendet werden.“

Eine Tradition, die schon sehr früh angewendet wurde – zahlreiche Architekturdenkmäler von Istanbul bis Venedig wurden mit Spolien errichtet. Heute nennt man das im Designbereich „Upcycling“.

Roland Hemedinger – der eigentlich Architektur studiert hat und im Kunsthandel aktiv war - erzählt mir wie es zu Spolia kam: „Immer wieder gibt es Gebäude, die abgerissen werden, in denen es zum Beispiel ganz hervorragende und noch vollkommen intakte Parkettböden gibt. Entweder man kann die selbst noch retten oder erwirbt sie von spezialisierten Händlern. Gerade Wien ist ja bekannt für ausgefallene Parkettböden.

Oftmals sind es nur wenige Quadratmeter, die so eine neue Nutzung erfahren und als moderner Ess-, Besprechungs- oder Arbeitstisch wiedergeboren werden. Das mache ich dann gemeinsam mit Designern, speziellen Handwerkern und Restauratoren.“

Der Tisch FOUR TO THE FLOOR ist mir beim Betreten des Gemeinschaftsraumes bereits aufgefallen. Das warme Holz des Parketts – es stammt aus einem Wiener Ballsaal und wurde 1863 verlegt -  bildet einen perfekten Kontrast zum Tischgestell aus Metall das die Form des Holzpuzzles aufgreift. Tolle Idee.

„Manchmal verfremden wir das Ganze auch“ – lacht Hemedinger – Tino Valentinitsch hat mit dem Bologneser die Grundform der Raute genutzt und das alte Parkett aus Nuss, Eiche und Ahorn neu komponiert, so dass optische Täuschungen entstehen. Nachdem der Parkettboden aus einer Villa in Bologna entfernt wurde, kam er nach Wien, wurde einer gründlichen Restauration unterzogen und für Neues genutzt.

Oder Scattered Servant – bei dem Kim+Heep altes Eichenholzparkett mit edlem Messing zu coolen Tischen und Tabletts neu kombinierten....ebenfalls großartiges Design.

Eigentlich ist das eine tolle Nutzung von Ressourcen – nicht nur im alten Rom war gutes Material kostbar – heute versuchen wir auch nachhaltig zu denken und entsprechend zu handeln beschreibt Roland Hemedinger seine Ambitionen – bei der natürlich auch die Schönheit und der Zweck eine Rolle spielen.

Ich will wissen, ob er denn nur auf Holz und altes Parkett festgelegt ist....

Nein, nein – inzwischen haben wir schon einige Editionen aufgelegt und inzwischen auch Erfahrungen mit Schieferplatten und besonderem Glas gemacht.

Er zeigt mir Bilder von Lampen, deren Schirme aus Schieferplatten bestehen  - ein Projekt mit Carl Auböck in Wien – hier bekamen Dachplatten eine vollkommen neue Bestimmung.

Aktuell tüftelt Hemedinger an einem spannenden Konzept mit bronziertem Glas, man arbeitet bereits praktisch an Prototypen. Er zeigt mir die Entwürfe, die er immer noch von Hand gestaltet und auf dem Papier weiter entwickelt. „Ich muß mich in ein Material verlieben“ erzählt er, dann sprudeln die Ideen.“

Wer kauft die Spolia Designs – will ich wissen. „Das ist ganz verschieden – es gibt Leute, die hier hereinkommen, die Sachen sehen und haben wollen  - andererseits geht heute viel über den Onlinehandel weltweit.

Apropos weltweit – die Designs von Spolia waren heuer bereits auf WIEN PRODUCTS Gemeinschaftsständen bei Designmessen in Paris und Shanghai zu sehen und haben dort neue Liebhaber gefunden.

Architekten und designaffine Kunden erkennen in den Produkten die Materialien schnell und haben meist ein Faible für die Neuinterpretation. Es steckt eine Menge Arbeit und vor allem Fachwissen dahinter, um solche Produkte zu entwickeln – man muß mit den begrenzten Ressourcen sorgsam umgehen und das beste Ergebnis anstreben. Ansonsten sind die Materialien unwiederbringlich verloren.

Ich bin beeindruckt über das Gehörte und Erfahrene. Als ich mich von Roland Hemedinger verabschiedet habe und die SPOLIA Produkte beim Vorbeigehen nochmals durch das Fenster betrachte bin ich sicher – die Qualität und das Design von Spolia sind in jedem Fall einen Spaziergang zum Packhaus wert.

 

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS  www.wienproducts.at

Hut ab! In der Werkstatt der Mühlbauer Hutmanufaktur

Das wunderschön geschwungene M ist Markenzeichen der 1903 gegründeten Firma Mühlbauer – es ziert Kopfbedeckungen modebewusster Menschen weltweit. Ich will wissen, wie die Hüte produziert werden und suche  auf dem schwarz/weissen WIEN PRODUCTS Stadtplan eine Mühlbauer Filiale. Nach einem freundlichen Telefonat habe ich einen Termin mit der Werkstattleiterin Katharina Stecker und treffe ein paar Tage später am Schwedenplatz auf die Hutmacher.

Draussen ist Sommer, durch die weit geöffneten Fenster der langgestreckten Werkstatt dringt fröhliches Stimmengewirr.

Hier oben herrscht eher ruhige Geschäftigkeit. Entlang der Fenster sitzen die Mitarbeiter an Tischen und arbeiten an verschiedenen Hutmodellen.

„Wenn niemand auf Urlaub ist wie jetzt zu Ferienbeginn, sind 14 Mitarbeiter bei uns in der Werkstatt erzählt mir Katharina Stecker, eine junge Frau voller Energie und dirigiert mich durch Lagerräume, in denen die rohen Hutstumpen und Strohmodelle sorgsam gestapelt sind in einen weiteren Raum, aus dem uns Hitze entgegenschlägt.

Uff – im Sommer ist das sicher eine Herausforderung denke ich mir. Hier warten in Regalen die unterschiedlichsten Holzformen, mit deren Hilfe, einer gehörigen Portion Dampf und handwerklicher Geschicklichkeit die speziellen Hutmodelle entstehen. Gerade verschwindet ein blauer Stumpen in der kugeligen Dampfglocke mit antikem Aussehen. Hier wird er einige Minuten mittels Wasserdampf erwärmt und lässt sich leicht formen. Während die Dampfglocke ihren Dienst tut, schaue ich mich um. Eine ganze Wand nimmt ein Trockenofen mit seinen Kammern ein, der mit Gas befeuert wird und einem die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Den Kollegen, der hier in der Zurichterei seine Arbeit seit vielen Jahren verrichtet, scheint das nicht zu stören, er ist daran gewöhnt und nimmt öfters einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche. Ich bekomme erklärt, wie das Material funktioniert und welche Modelle bereits Klassiker sind und immer wieder adaptiert in den Kollektionen auftauchen. Jetzt kommt der blaue Hut an die Reihe – er hat den perfekten Zustand zur Formung erreicht. Mit geübten Griffen wird der Stumpen auf die Lindenholzform gezogen und mit Nägeln fixiert. Danach werden Schnüre an genau bestimmten Stellen für spätere scharfe Kanten gesetzt und zum Schluß wandert der in Form gebrachte Rohling zum Trocknen in den ca. 70 Grad warmen Trockenofen.

Luc - ein bereits getrocknetes und abgekühltes Modell wird anschließend von der Form genommen und mit einem Spezialbügeleisen und feuchten Tüchern behandelt. Gar nicht so einfach, das Modell von der Holzform zu lösen. Jede der meist aus Naturhaarfilz bestehenden Hüte und Kappen hat ihre speziellen Erfordernisse – jede ist ein Unikat.

Nun wandern die Modelle nach vorn in die Werkstatt, wo sie mit der Garnitur ausgestattet werden.

Wie behält man da die Übersicht, was gerade produziert wird will ich wissen. Jedes Stück trägt einen Produktionsaufkleber, darauf sind Modell, Material, Größe und Farbe angegeben erklärt mir Katharina Stecker und ergänzt lachend – „das ist der maschinelle Teil unserer ansonsten analogen Produktion“. Wir produzieren vorwiegend auftragsbezogen und nicht auf Langer – die Kollektionen werden u.A. mit den WIEN PRODUCTS auf Messen in Paris und heuer auch in Shanghai präsentiert und die Bestellungen der Handelskunden später produziert. Ca. 8000 Hüte verlassen jährlich die Werkstatt im ersten Bezirk – 60% davon gehen an Händler in der ganzen Welt. Brad Pitt und Meryl Streep sind nur zwei der vielen celebrities, die die coolen Hüte aus Wien schätzen.

Geschickte Hände werken an der Vollendung der Hutmodelle. Hier werden die Hutbänder eingenäht, von Hand das „vorn Mitte“ Zeichen in den Hut gezaubert, die Garnitur aufgebracht, die jeden Hut besonders macht. Verschieden breite Bänder in hunderten Farben und Materialien, Federn und so weiter sind hier sauber aufgereiht in Kartons vorrätig. Jeder der Kolleginnen und Kollegen fertigt ein Modell komplett– je nach Vorgabe wird der Hut vollendet, der neben der Garnitur natürlich das Markenzeichen der Manufaktur – das M – erhält. Zum Schluß bekommt jede Kopfbedeckung noch einen ganz persönlichen „Stempel“ – nämlich den seines Produzenten - dessen Name ein rundes Schild ziert, das den Hut als Manufakturprodukt auszeichnet.

Sucht man auf den Berufsschulseiten der Stadt Wien „Modist/in und Hutmacher/in, sind dem Beruf keine rosigen Aussichten beschieden. Hier allerdings lebt das Handwerk. „Ach – ich war die Einzige in meinem Jahrgang“ erzählt mir Katharina Stecker, „früher hat fast jedes Theater einen Modisten gehabt – jetzt produzieren wir unter anderem die Bühnenmodelle für das Burgtheater.

Bei uns arbeiten auch Quereinsteigerinnen – ergänzt sie – es muß einfach stimmen, wenn jemand Geschick hat und es menschlich passt, dann freuen wir uns.“

Hier hat man sowieso den Eindruck, dass es passt: Mühlbauer - Hutmanufaktur in vierter Generation und seit 1903 am Markt – ist mit den Designs immer am Puls der Zeit.

Letztes Jahr erregte zum Beispiel der Reformhut international Aufsehen und gerade entsteht die neue Kollektion, die im September in Paris gezeigt wird. Ich darf einen Blick darauf werfen und bin begeistert.

Wie ist es, wenn jemand ganz bestimmte Vorstellungen von „seinem“ Hut hat? „Kein Problem, wir machen die meisten Hutträume wahr – gerade wurde ein Modell für eine Hochzeit ausgeliefert – passende Farbe zum Kostüm und Garnitur unter Verwendung des Kleiderstoffes.“

Ich vermute – die Kundin ist glücklich und wird mit ihrem Hut Bewunderung ernten.

Apropos Kunden – wer ist denn eigentlich typischer Mühlbauer-Kunde interessiert mich noch. Das wäre nur schwer zu sagen bekomme ich als Antwort – in jedem Fall sind es Menschen, denen das Handwerk und die Designs zusagen, die modeinteressiert sind und die es cool finden, einen Hut zu tragen. In den beiden Wiener Filialen hätte man auch unterschiedliches Klientel – während im ersten Bezirk in der Seilergasse eher Klassiker gefragt sind, werden in der Filiale in der Neubaugasse vermehrt ganz moderne Designs verkauft.

Begeistert verlasse ich die Werkstatt und bin überzeugt – die hervorragende Qualität der Hüte aus der Mühlbauer Hutmanufaktur ist in jedem Fall einen Spaziergang in die Wiener Filialen wert.

 

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS www.wienproducts.at

 

Fünfhundertzwanzig Jahre und kein bisschen leise – die Wiener Sängerknaben

Bis ins Jahr 1498 reichen die Wurzeln der Wiener Sängerknaben – stolze 520 Jahre.

Man sieht und hört sie oft – nicht nur in Wien. Ich möchte mehr über die musikalischen Botschafter wissen und konsultiere den schwarz/weißen WIEN PRODUCTS Stadtplan. Ein paar Tage später treffe ich mich mit Dr. Tina Breckwoldt, die nicht nur für die Dramaturgie, sondern auch für die PR zuständig ist, im Palais Augarten.

Hier haben die Sängerknaben seit Beginn der 50iger Jahre ihren Sitz. Das ist an diesem Tag weithin zu hören. Aus den geöffneten Fenstern dringt vielstimmiger Gesang hinaus in den Park. Es ist 12:30 Uhr und die Sängerknaben sind am Proben.

Wenn man nun glaubt, da säßen einhundert Jungen zwischen 10 und 13 Jahren in einem Raum – der irrt gewaltig.

Insgesamt vier Chöre, die nach Bruckner, Haydn, Mozart und Schubert benannt sind mit je 25 Jungen ergeben die Wiener Sängerknaben. Einer der Chöre ist praktisch immer unterwegs. Derzeit touren 25 Musiker und ihre Begleitung zirka 3 Monate durch Asien und begeistert in diversen Hallen das Publikum.

Ich darf bei einer Probe dabei sein und staune nicht schlecht. Immer wieder wird eine besonders heikle Stelle probiert, zwischendurch gibt der Kapellmeister neue Anweisungen, mahnt Konzentration ein, klatscht den Takt vor und erklärt die Wirkung, die er erreichen möchte.

Für meine Ohren klingt es schon sehr gut – perfekt scheint es noch nicht.

Pause – die Jungen gehen in die Mensa zum Mittagessen. Betreuer tauchen auf und koordinieren diverse Proben und Termine mit einzelnen Schülern.

Dr. Breckwoldt erzählt mir auf meine Frage hin, dass hier im Augarten nicht nur die aktiven Sängerknaben ihr Domizil haben, sondern bereits Kinder im zugehörigen Kindergarten auf eine mögliche Laufbahn bei den Sängerknaben vorbereitet werden. Außerdem gibt es die Volksschule und das Gymnasium – eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht, in der die jungen Sänger eine erstklassige Ausbildung erhalten und die auf die speziellen Anforderungen eingeht.

Kurz darauf treffen wir 3 aktive Sängerknaben, die für eine Soloprobe eingetragen sind. Wir kommen ins Plaudern. Theo stammt aus Wien und erzählt mir, dass er hier bereits im Kindergarten war und begeisterter Sängerknabe ist, weil er später eine musikalische Laufbahn einschlagen will. Er singt gern und spielt nebenbei auch noch Klarinette. Ob er als Wiener hier im Internat schläft will ich wissen. Klar – bis auf eine oder zwei Nächte pro Woche schläft er hier – das ist eh cool und mit den Jungs macht es Spaß.

Luca hätte da schon einen längeren Heimweg. Er kam aus Berlin zu den Wiener Sängerknaben. Ihm imponierte der Gesang und so fand er hier seine musikalische Heimat. Ist es nicht komisch – weit weg von Berlin zu sein? Nein gar nicht, sagt er – wir sind ja auch weltweit unterwegs und erleben viel – kaum ein Junge in diesem Alter hat so viel Reiseerfahrung wie ein Sängerknabe...

Und wie ist das mit der Sprache?

„Das lernt man ganz schnell, wenn man will“, antwortet Satoshi, der aus Japan kommt und das dritte Jahr bei den Sängerknaben singt. Er spricht ein hervorragendes Deutsch und erklärt mir, dass er mit seiner Mutter in Japan in einem Konzert der Sängerknaben war und diese vorher auch schon im Fernsehen gesehen hatte. Er wollte unbedingt Teil dieser Gemeinschaft sein und ist sehr stolz darauf. Seine Augen leuchten, als er mir erzählt, wie toll es war, als er seine Uniform bekam bei einer feierlichen Übergabe.

Spannend. Ich staune, als mir die Jungen ihren Tagesablauf schildern, der nach der Schule zwei Stunden Probenarbeit und etwas Freizeit nochmals Unterricht in der Schule vorsieht. Zwischendurch und danach wird gelernt oder ein Instrument gespielt. Sonntags singt man die Messe in der Burgkapelle – jeder der Sängerknaben ein- bis zweimal im Monat.

Wir gehen in den Salon – ein Prachtsaal mit Stuck und Teppichen, in dem ein Flügel steht. Gerald Wirth, selbst ehemaliger Sängerknabe und nun Präsident und musikalischer Leiter der Sängerknaben erwartet die Jungen zu einer Soloprobe mit Stimmübungen und Atemtechniken. Ruhig und ausgesprochen freundlich geht er auf jeden der drei ein, lobt und motiviert. Die Stimmen sind klar und engelsgleich – möchte man sagen.

Mit diesem musikalischen Schatz kann man natürlich bestens repräsentieren. Das wusste bereits Kaiser Maximilian, der mehr oder weniger als Gründungsvater der Wiener Sängerknaben gilt. Er hatte bereits Ende des 15. Jahrhunderts eine gewisse Anzahl von Knaben an seinem Hof, die zu Messen und der musikalischen Unterhaltung nicht nur am Hof in Wien sangen, sondern den Kaiser auch auf Reisen begleiteten. Bis heute sind die Wiener Sängerknaben musikalische Botschafter weltweit. Neben geistlicher Musik wird heute Wert auf Vielfalt gelegt. Neben Volksliedern aus aller Welt in vielen Sprachen (!!!) gibt es immer wieder besondere Projekte, bei denen sich die Jungen begeistert engagieren und mit ihren Stimmen einen besonderen Touch verleihen. Gerade lief die Vorpremiere eines Filmprojekts von Curt Faudon „The good Shepherds“ im Gartenbaukino. Ein unglaublich spannendes Projekt, bei dem es um Naturschutz geht  - ein Thema, das den Sängerknaben am Herzen liegt und wofür sie sich engagieren.

Ich bin schwer beeindruckt – das hatte ich so nicht erwartet. Dr. Breckwoldt beantwortet mir geduldig und ausführlich meine Fragen – ich erfahre, dass sich fast 80 Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter um den musikalischen Nachwuchs kümmern – geht es ja auch darum, das Erreichte zu sichern. Die Sängerknaben sind keine staatliche Einrichtung, sondern sorgen größtenteils selbst für ihr Einkommen. Eine eigene Bühne haben sie inzwischen auch auf dem Gelände  -  mit Hilfe von Privatsponsoren wurde MuTh – ein moderner Konzertsaal in unmittelbarer Nähe gebaut.

Es gäbe noch viel zu berichten, die Zeit verging wie im Flug. Ich verabschiede mich und spaziere durch den Park vom Augartenpalais. Die musikalische Qualität  der Wiener Sängerknaben ist in jedem Fall einen Spaziergang zu einem ihrer Konzerte wert. 

 

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS www.wienproducts.at

Kaiserjause und Salon Privéé – ein Besuch beim K.u.K. Hofzuckerbäcker Gerstner

Der eine liebt dolce vita, ein anderer mag es lieber herzhaft... Die Verführungen der K.u.K. Hofzuckerbäcker Gerstner sind legendär und ich konsultiere den WIEN PRODUCTS Stadtplan, um die genaue Adresse herauszufinden. Ein paar Tage später treffe ich mich mit Ursula André, der Marketingchefin im Palais Todesco gegenüber der Wiener Staatsoper, wo Gerstner auf drei Etagen zu Hause ist und seine Gäste aus aller Welt kulinarisch verwöhnt.

Schon beim Betreten des Shops im Erdgeschoss erliegt man dem Anblick der Vitrinen, in denen sich Tortenstücke, Strudel, Pralinés und Petit Four ein Stelldichein geben. Gleich daneben fällt den  Eisliebhabern die Auswahl schwer... 

Touristen aus Japan stehen vor der Vitrine mit den Souvenirs und suchen Geschenke für die Familie aus.

Der Lift bringt uns in den 3. Stock. Hier befinden sich die Salons Privéé, die seit 2016 von Gerstner betrieben werden.

Die hohen Räume strahlen majestätische Opulenz aus – Flügeltüren öffnen den Blick durch ganze Raumfluchten, die denkmalgeschützt sind und aufwändig gepflegt werden. Da gibt es den Blauen, Grünen und Roten Salon – eine Bar, nobel eingedeckte Tafeln und bequeme Sesseln um Kaffeehaustische. Die Wände zieren echte Kunstwerke – kurzum – man fühlt sich ziemlich erhaben hier, der Lärm der Welt bleibt draussen. Durch die großen Fenster genießt man den Blick auf die Oper.

Apropos Oper... Mit der Wiener Staatsoper verbindet Gerstner eine langjährige und äußerst erfolgreiche Geschäftsverbindung. Bereits vor der Eröffnung der Staatsoper war man sich einig, dass das Hofopernpublikum kulinarisch von der Firma Gerstner verwöhnt wird. Die Gründer, Anton Gerstner und seine Frau Barbara haben es in ziemlich kurzer Zeit geschafft, zum k&k Hoflieferanten aufzusteigen und mit der Versorgung der kaiserlichen Pavillone bei der Weltausstellung 1873 praktisch das Catering in Wien aus der Taufe gehoben. Letztes Jahr feierte man das 170jährige Bestehen der Firma, die zwar nicht mehr in Familienhand – aber in guten Händen ist und deren Eigentümer das Unternehmen auf sichere Standbeine gestellt hat. Neben der Hofzuckerbäckerei sind das unter anderem das Catering, wo man zum Beispiel die Staatsoper und den Musikverein betreut, sowie der Betrieb von Hotels.

Mich interessiert jedoch das Zuckerbäckerhandwerk und wie die Kreationen der Patisserie entstehen. Deshalb darf ich einen Blick auf die Vollendung der Tortenkreationen werfen. Die berühmte Klimt-Torte erfreut sich großer Beliebtheit beim Publikum und die Konditorin arbeitet konzentriert und flink an deren Vollendung. Hier sitzt jeder Handgriff.  Die große Backstube, die Pralinenherstellung  und das Catering befinden sich im zweiten Bezirk, wo man viel Arbeitsplatz zur Verfügung hat. Im Palais Todesco werden die süßen Kreationen dekoriert und vollendet. „Handwerk ist noch immer ein wichtiger Teil unserer Arbeit“ erklärt mir Ursula André – „wir legen großen Wert auf gute Handarbeit und sind froh, Meister ihres Faches bei uns zu beschäftigen.“

Woher kommen denn die Kunden möchte ich wissen. „Aus der ganzen Welt“ lautet die Antwort. Der Beweis wird sofort angetreten, als wir im Erdgeschoss im Geschäft stehen – hier geht es rund. Wiener lassen sich Tortenstücke für die Jause einpacken, Touristen haben es die Pralinen angetan und draussen hat sich eine kleine Gruppe am Eisstand versammelt – es ist Sommer und man geniesst kühle Erfrischungen beim Gerstner.

Die Mitarbeiter sind freundlich, beraten die Kunden in mehreren Sprachen und verpacken alles in Blitzgeschwindigkeit in wunderschönen Verpackungen, die das Firmenlogo ziert.

„Bei uns ist an sich jeden Tag viel los“ erzählt mir Frau André – unter der Woche haben wir oft Business-Lunches in den Salons oder Veranstaltungen. Im ersten Stock ist das Café-Restaurant gut gefüllt – man schätzt die gute Küche eines jungen und ambitionierten Kochs, der nicht nur Wiener Klassier, sondern auch moderne Küche auf der Karte hat. Und da sind natürlich die vielen Gäste, die mit Blick auf die Oper einen Kaffee trinken und an den süßen Buffets die Qual der Wahl haben.

Am Abend kommen oft Gäste vor und nach dem Besuch der Oper zum Essen oder auf ein Glas Schlumberger - mit dem Wiener Produzenten edler Schaumweine pflegt man gute Kontakte.

Was 1847 mit einer Zuckerbäckerei begann, ist heute ein modernes Unternehmen, in dem sich Tradition und Moderne auf perfekte Art ergänzen. Gastfreundschaft wird groß geschrieben, die Location bietet perfekte Möglichkeiten für viele Anlässe und die Qualität ist ganz unbestritten.

Ob ich den Garten schon gesehen hätte, fragt mich Ursula André, als wir wieder am Eingang stehen. Einen Garten? Hier mitten in der Stadt? Wir verlassen das Geschäft und biegen gleich nebenan in eine herrschaftliche Einfahrt. Mit jedem Schritt verebbt der Lärm der Kärntner Straße mehr und vor uns liegt ein herrlich ruhiger Innenhof, in dem bequeme Möbel einladen, Platz zu nehmen. Herrlich Schattig und ruhig ist es hier – perfekt für eine genussvolle Pause.

Als ich mich verabschiedet habe und wieder auf der Kärntner Straße stehe, weiß ich genau: der Ort und die Qualität der K.u.K. Hofzuckerbäcker Gerstner sind in jedem Fall einen Spaziergang wert. 

 

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS www.wienproducts.at

 

„You are so different“ – ein Blick durch Schau Schau Brillen

Seit Jahren fallen mir die Eyecatcher von Schau Schau Brillen immer wieder auf – entweder begeistern mich die wirklich großartigen Inszenierungen bei Präsentationen oder ich bewundere besonders ausgefallene Brillenmodelle.

Auf dem schwarz Weißen WIEN PRODUCTS Stadtplan ist als Adresse das Geschäft in der Rotenturmstraße angegeben. Dort bekomme ich die Info zur Brillenmanufaktur in Perchtoldsdorf und mache mich auf den Weg.

Das Haus der Manufaktur liegt in der Hochstraße – in der Auslage bewundere ich die Brillen, die gemeinsam mit FALCO entwickelt wurden. Peter Kozich begrüßt mich und zeigt mir die Welt der Schau Schau Brillen. Auf Falco angesprochen, erklärt er mir, dass sie gut befreundet waren und der Sänger für ihn immer nur „der Hans“ gewesen ist. Gemeinsam hat man nicht nur Brillenmodelle kreiert, sondern war zusammen laufen und hat Zeit miteinander verbracht. Wir blättern in einem Buch, das die Geschichte der Schau Schau Brillen illustriert und ich entdecke viele prominente Gesichter – von Peter Alexander bis zu Ambros und Danzer.

„Es war eine aufregende und spannende Zeit damals“ erzählt mir Peter Kozich, der den Titel Kommerzialrat trägt und kommt ins Schwärmen. Er wollte nach seiner Ausbildung nicht einfach ein weiterer Optiker sein... Ende der Siebzigerjahre entstanden in Handarbeit ein paar Brillen, die längst Klassiker sind. Mit denen fuhr der damals junge Familienvater nach New York und wurde sprichwörtlich berühmt. Ein wenig Glück war natürlich auch im Spiel – trotzdem wurden viele Menschen auf die besonderen Brillen aufmerksam. „You are so different“ hörte Kozich immer wieder – das spornte an.

In Hartberg wurde eine Firma gefunden, die das Design perfekt umsetzen konnte, neben dem Geschäft in der Rotenturmstraße wurde auch ein Vertrieb in New York aufgebaut, viele bekannte Gesichter trugen Schau Schau Brillen und somit kam die Firma richtig in Schwung.

Der Wiener Standort wurde für die Herstellung der Brillen zu klein und so und etablierte die Manufaktur in Perchtoldsdorf.

Im Familienbetrieb stellte man nicht nur in Handarbeit Brillen her, sondern veranstaltete Ausstellungen und sogar Theateraufführungen, die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Mittelpunkt waren und sind jedoch bis heute die Brillen, die neben der Funktion als Sehhilfe immer auch ein modisches Statement darstellen.

Wir gehen durch die Manufaktur und ich bekomme jeden Schritt der Fertigung genau erklärt und gezeigt. Hier stehen dutzende spezielle Maschinen, mit deren Hilfe aus indischem Büffelhorn und Acetat aus Italien die Brillengestelle erzeugt werden. Man setzt bei Schau Schau auf Naturmaterialien, weil viele Menschen allergisch auf Kunststoff oder Metall reagieren. Die Farb- und Musterpalette des vorwiegend aus Baumwollfasern bestehenden Acetats ist sehr umfassend und inspirierend – hier findet garantiert jeder das Passende. Wer auf 100% Natur steht, wird Büffelhorn lieben.

Bevor es jedoch in die handwerklich aufwändige Produktion geht, wird genau vermessen. Das ist wichtig, erklärt mir Optikermeister Peter Kozich - jeder Kopf ist anders, jedes Gesicht einzigartig – wir gehen sowohl im Design als auch in der Fertigung genau auf diese Besonderheiten ein – schließlich wird die Brille immer getragen und soll nicht stören, sondern perfekt sitzen und die Sehleistung verbessern.

Ich schaue zu, wie aus einem Stück Acetat ein Brillengestell gefräst wird. Spannende Angelegenheit – man muß genau wissen, wie man die Fräse ansetzt, damit durch die hohe Spannung das Material nicht bricht oder Risse entstehen. Danach folgt viel Handarbeit – die Form wird millimetergenau herausgearbeitet, Kanten sorgsam von Hand verschliffen und immer wieder an der Poliermaschine mit unterschiedlichen Körnungen bearbeitet.

Am Ende hat das Gestell eine absolut perfekte und glatte Oberfläche und passt hundertprozentig. Allein die handwerkliche Fertigung des Gestells nimmt mindestens einen Tag Anspruch – hier legt man Wert auf beste Qualität, was die Kunden sehr zu schätzen wissen.

Die exzellente Handarbeit spricht sich natürlich herum – immer wieder kommen Weltstars zu den Kozichs, um sich „ihre Brille“ kreieren zu lassen. Die Familie hat sich im wahrsten Sinne des Wortes den Augen verschrieben – Peter Kozichs Frau Edith betreut die Administration der Geschäfte und die beiden Söhne sind Optikermeister und Augenarzt geworden.

Man sorgt in jedem Fall für einen guten Durchblick und beweist nebenbei auch Humor und Innovationsgeist. Dutzende Brillen entstanden schon zu besonderen Anlässen wie dem Opern- oder Lifeball, speziellen Jubiläen oder im Rahmen von Wettbewerben. Da wurden auch schon einige Preise gewonnen.

„Wissen Sie – man muß neugierig bleiben“ – sagt mir der Brillendesigner Kozich zum Abschied. Das stimmt, denke ich, als ich die Manufaktur verlassen habe – meine Neugier auf außergewöhnliches Brillendesign wird mich sicher wieder in die Rotenturmstraße zu Schau Schau Brillen führen – die Qualität ist in jedem Fall einen Spaziergang dorthin wert.

 

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Ich kann die Lüge riechen! Zu Besuch bei Das Parfum- Duftgalerie

Wohl fast jeder von uns hat das Buch gelesen oder den Film gesehen. Das Parfum von Patrick Süßkind. Eindrucksvoll. Opulent. Umwerfend.

Es war auch das erste Buch, das Yogesh Kumar auf deutsch gelesen hat, erfahre ich, als ich den Parfümeur besuche. Schon lange interessiert mich, wie solch eine Duftkreation entsteht und deshalb habe ich mir auf dem WIEN PRODUCTS Stadtplan die Adresse von Das Parfum-Duftgalerie herausgesucht und mich auf den Weg in den 7. Bezirk gemacht, wo mich in einem kleinen Geschäft in der Kirchengasse ein Kosmos an Information erwartet.

Yogesh Kumar ist in Indien aufgewachsen – genauer gesagt in Dehli. Er war bereits als Kind besessen von Chemie und baute im Wohnzimmer der Familie auf dem Esstisch seine Experimentieranordungen auf. Düfte spielten in seinem Leben schon immer eine große Rolle, erzählt er. Alles konnte er riechen – sogar die Lüge.

Was fast wie ein Märchen klingt, ist eine besondere Begabung oder eine Gabe des Lebens. Riechen ist ein wichtiger Sinn, den der Mensch hat – könnten wir nicht riechen, würden wir auch nur die Hälfte maximal schmecken. Geht man heute durch eine Stadt, wandert man durch eine Vielzahl von Gerüchen, viele von uns sind bereits so daran gewöhnt, dass sie kaum noch etwas riechen. Die Natur macht es uns leicht – nach einem regen riecht die Luft gewaschen, nahenden Schneefall kann man riechen und ja – auch üble Gerüche gibt es allerorten.

Jedes Ding und jeder Mensch hat seinen ganz speziellen Duft erklärt mit Yogesh Kumar. Er hat tausende Düfte abrufbereit gespeichert, ist in der Welt der Essenzen zu Hause.

Über uns stehen hunderte Flaschen und Fläschchen aufgereiht – jedes sauber mit seinem Inhalt beschriftet. Woher kommen diese Essenzen alle möchte ich wissen. Der Parfümeur schaut mich an und meint – aus der ganzen Welt – manche von ihnen sind extrem selten geworden, manche bereits durch synthetische Düfte ersetzt.

Ich erinnere mich an den Film und stelle mir vor, wie man Düfte einfangen kann... Yogesh Kumar lacht – na ja – Phantasie braucht man im Leben - sonst ist es nur halb so schön.

 

Wie wird man Parfumeur möchte ich gern wissen... Kumar lächelt und antwortet – dass das kein Beruf ist, es ist eher eine besondere Begabung und Geschick und Wissen – vor allem in Chemie. Er selbst hat seine Erlebnisse damit. Der Beruf als solcher ist nicht definiert und bis zur Zulassung brauchte es eine Weile. Nun praktiziert er aber schon seit 1997 in Wien und das ziemlich erfolgreich. Für zahlreiche Unternehmen hat er Duftprojekte durchgeführt. Besondere Marken setzen auf einen ganz speziellen Duft, lassen ihn von Yogesh Kumar kreieren.

Wie geht so etwas?

Das ist ganz unterschiedlich meint der Experte – wenn ich einen Duft für eine Marke kreiere, sitze ich mit den Verantwortlichen zusammen und wir besprechen, was die Marke ausmacht – da geht es um die Definition von Charaktereigenschaften und deren emotionale Entsprechung. Für jede Eigenschaft stehen verschiedene Düfte, Essenzen. Nach verschiedenen Meetings und Proben finden wir dann gemeinsam den Duft.

Kreiere ich jedoch für eine Person den individuellen Duft, rieche ich zuerst an ihm – denn jeder trägt seinen ganz individuellen Duft mit sich – der ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden und hängt von hunderten Gegebenheiten ab.

Kunden, die zu mir kommen, haben sich oft mit ihrem Wesen befasst und sind neugierig. Oft erzählen sie mir ihre ganz persönliche Lebensgeschichte, obwohl ich nicht danach frage... Duft ist Emotion, Leben, Erlebtes. Aus den Informationen und meiner Erfahrung erstelle ich in meinem Labor die Grundrichtung, die dann immer weiter verfeinert wird. Der Duft soll den Menschen begleiten, seine positiven Seiten herausstreichen, ihn unterstützen.

Ich bin fasziniert. Hier bekommen die Worte riechen und Duft eine ganz neue Bedeutung.

Gerade füllte der Meister einen Duft ab, der in den letzten 10 Wochen entstanden ist – der Flakon füllt sich mit der hellen bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Zuletzt wird die Zerstäuberkapsel aufgesetzt und mit einer speziellen Maschine verschlossen. Yogesh Kumar erklärt mir, dass er diese selbst gebaut habe – die industrielle war ihm damals zu teuer. Er bedient die Kurbel und der Verschluss wird an den Flaschenhals gepresst – die Maschine verbreitet ein leises und harmonisches Geräusch.

Die Flasche wird später noch ihr Etikett bekommen und vom Kunden mit Vorfreude in Empfang genommen.

Ich verabschiede mich und verlasse das Geschäft. Wahrscheinlich werde ich demnächst eines der Duftseminare besuchen, die Yogesh Kumar seit Neuestem in seinem Praxisraum im ersten Bezirk anbietet. Hier in der Kirchengasse graben sich demnächst die Bagger für einige Jahre den Weg zur zukünftigen U5. Da ist es gut, wenn es einen ruhigen Ausweichort gibt. Die Qualität von Das Parfum- Duftgalerie ist in jedem Fall einen Spaziergang wert!

 

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS www.wienproducts.at

Silberne Fatcars und fragile Ballerinen – zu Besuch in der Wiener Silber Manufactur

Vierblättrige Kleeblätter gelten als Glücksbringer. Oder sie sind Markenzeichen – wie die Punze der Wiener Silber Manufactur. Ich nehme den schwarz/weißen WIEN PRODUCTS Stadtplan zur Hand und besuche die Silberboutique in der Spiegelgasse. Dort frage ich die netten Damen nach der Manufaktur und vereinbare einen Termin. Einige Tage später mache mich auf den Weg nach Weigelsdorf – wo in einer hohen und lichten Industriehalle die Werkstatt seit ein paar Jahren ihr Domizil hat.

Die Art Direktorin Dr. Barbara Kamler-Wild begrüßt mich und führt mich durch die einzelnen Abteilungen. Wir gehen an langen Regalen mit sauber aufgereihten Formen vorbei. Jede einzelne ist beschriftet. Ob man sich da zurechtfindet möchte ich wissen. „Aber sicher“, lacht meine Begleiterin – „wir kennen unsere Schätze genau – jedes Stück hat eine bestimmte Nummer und ist einer Serie zugeordnet“.

Bestecke von klassisch bis modern und Hohlwaren sind im Portfolio der Manufaktur. Unserer Handarbeit kommt eine sehr große Bedeutung zu. „Wir sind eine echte Silberschmiede“ erklärt mir Dr. Barbara Kamler-Wild – bei uns wird nicht gegossen oder gepresst – hier sind Handarbeit und vor allem das Wissen um das Material gefragt. Wir sind froh, auch Nachwuchs im Team zu haben erzählt sie mir, als wir uns einer jungen Frau nähern, die geduldig die Zinken einer Gabel mit Schleifpapier bearbeitet. Bis dahin ist es bereits ein langer Weg, den das Silber – man verwendet 940er Silber, da es weniger schnell anläuft – hinter sich hat. Davor wurde es mit Hilfe einer sehr alten und speziell gebauten Walze in eine flache, später in die entsprechend gebogene Form gebracht. Man muss genau schauen, dass das Material an den entsprechenden Stellen die richtige Stärke hat, damit es am Ende funktioniert und ausgewogen in der Hand liegt. So eine Gabel hat ein ganz ordentliches Gewicht bemerke ich, als ich einen Rohling in der Hand halte. Die Gesellin erklärt mir, welche Schritte sie ausführt, bis dieser Arbeitsschritt abgeschlossen ist und die Gabel weiter zum nächsten Kollegen wandert. Man arbeitet förmlich Hand in Hand – jeder muss sich auf das Qualitätsbewusstsein und die Zuverlässigkeit des anderen verlassen können.

Sie liebt ihr Handwerk erzählt sie, man könne sehen, was man täglich geschafft hat und stolz auf die Arbeit und deren Ergebnisse sein. Gute Einstellung – ich finde es toll, dass junge Frauen sich beruflich dem Handwerk zuwenden und sich für alte Techniken interessieren.

Ich bekomme einen Musterlöffel in die Hand gedrückt. Eine Ikone der Wiener Werkstätte – Josef Hoffmann hat ihn als Teil eines Bestecksatzes gestaltet. Der runde Kaffeelöffel liegt perfekt in der Hand – der Designer hat an alles gedacht, die menschliche Hand und die Funktionsweise waren Grundlage seiner Gestaltung. Ich liebe dieses Besteck – klar und schnörkellos zeugt es vom Gestaltungswillen der Wiener-Werkstätte-Künstler. Einige von Ihnen – wie Kolo Moser, Otto Prutscher und später der Werkbundarchitekt Oswaldt Haerdtl haben Silberwaren kreiert. Dass man diese bis heute kaufen kann, ist auch ein großer Verdienst der Wiener Silber Manufactur.

Bei unserem Rundgang sehe ich gefühlt tausend verschiedene Hämmer, Feilen, Polierräder, Zangen und Formenwerkzeuge. Die alle zu beherrschen, ist eine Herausforderung. In der Manufaktur hat jeder Mitarbeiter seinen eigenen individuellen Werkzeugkasten – man achtet sehr auf Ordnung. Das Werkzeug ist die verlängerte Hand der Meister. Verständlich, dass man damit auch gute Ergebnisse hervorbringt.

Wir sind inzwischen durch verschiedene Abteilungen gegangen und in der Galvanik angekommen – wo Silber seinen unvergleichlichen Glanz bekommt oder sogar vergoldet wird. Wie zum Beispiel die filigranen Vasen von Ted Muehling, einem zeitgenössischen New Yorker Designer.

„Wir arbeiten mit den besten Gestaltern zusammen“, fasst Dr. Kamler-Wild die Designstrategie zusammen. „Es gibt tolle Entwürfe jüngerer Designer wie Marco Dessi, Alexandre Echasseriau oder Tino Valentinitsch und wir setzen Kreationen von weltbekannten Gestaltern wie Zaha Hadid oder Erwin Wurm um.

In der Endkontrolle kann ich dann die Stücke bewundern – hier sieht es fast wie in einer Schatzkammer aus. Die Fatcar–Dose von Erwin Wurm – eine streng limitierte Edition ist bereits ausverkauft; Sammler haben sehr schnell die Gunst der Stunde genutzt. Vielleicht ist „ZIZI“ von Zerunian und Weisz das nächste must-have Stück aus der Manufaktur? Letztes Jahr hat die filigrane silberne Dose mit dem rosa Tutu viel Aufmerksamkeit erregt bei der Vienna Design Week....

Wie geht es weiter in diesem Jahr interessiert mich. Im Moment ist man bei den letzten Vorbereitungen für die ICFF in New York, wo die Wiener Silber Manufactur jedes Jahr am WIEN PRODUCTS Stand vertreten ist und die Partner vor Ort besucht. Dann geht es zum zweiten Mal heuer nach China zu einer Designmesse – hier gibt es großes Interesse am Handwerk aus Wien. Und natürlich ist es wichtig, alle Kundenaufträge rechtzeitig auszuliefern – an Arbeit mangelt es wirklich nicht.

Ich bedanke mich für die vielen Informationen und verabschiede mich von den Silberschmieden und meiner netten Begleiterin. Schon jetzt bin ich gespannt auf neue Designs – die Qualität der Silberwaren ist in jedem Fall einen Spaziergang in die Spiegelgasse zum Shop der Wiener Silber Manufactur wert.

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS - www.wienproducts.at

Mit Pauken, Trompeten und Geigerzähler – ein Besuch bei den Wiener Symphonikern

Als Orchester der Stadt Wien sind die Wiener Symphoniker Kulturbotschafter einer Musikmetropole und tragen mit exzellenten Aufführungen im In- und Ausland zum guten Ruf der Stadt bei.

Ich möchte wissen, wie so ein Orchester funktioniert, was auf den Plänen der Wiener Symphoniker steht und suche mir im WIEN PRODUCTS Stadtplan die Adresse. Als ich Quirin Gerstenecker, den Marketing Manager anrufe und ihm vom Blog erzähle, schlägt er mir vor, das Orchester und Mitarbeiter vor und hinter der Bühne am besten bei der Generalprobe zum Fest der Freude am Heldenplatz kennen zu lernen. Ich bin begeistert vom Vorschlag und so treffe ich am 7. Mai im Epizentrum von Wien auf viele Menschen, die sich eingehend mit Musik und der Organisation drumherum beschäftigen.

Die Bühne ist bereits aufgebaut, Techniker und Aufnahmeleiter vom ORF huschen vorbei und justieren Kameras und Mikrofone. Die ersten Musiker haben Platz genommen und stimmen sich auf die Probe ein.

Für die Wiener Symphoniker ist das Konzert am 8. Mai eine Herzensangelegenheit erzählt mir Quirin Gerstenecker, das Orchester und die Solisten verzichten auf ein Honorar  und jeder kann bei freiem Eintritt live dabei sein.

Die Bühne hat sich inzwischen gefüllt, der größte Teil der 128 Musiker ist heute dabei – neben „handlichen“ Instrumenten wie Geigen, Bratschen und Celli,  Holz- und Blechblasinstrumenten sind eine Harfe und ziemlich viel Schlagwerk aufgebaut – im Hintergrund lehnen einige Kontrabässe. Wer bringt eigentlich die Instrumente zum Spielort interessiert mich und so lerne ich Bernhard Kircher kennen, der selbst Musik studiert und im Orchester gespielt hat – seit 20 Jahren ist er Orchesterwart und für die Logistik der Instrumente verantwortlich. Er sorgt dafür, dass die Bestuhlung passt, jeder die richtigen Noten hat und die Instrumente pünktlich vor Ort sind. Eine ganz schöne Herausforderung – immerhin reden wir von mindestens 128 wertvollen und fragilen Instrumenten – einige sind besonders wertvoll. 2 Geigen und 1 Cello stammen aus wertvollen Instrumentensammlungen und werden den Musikern zur Verfügung gestellt. Würden wir den Wert aller Instrumente addieren, wären hohe Summen im Spiel. Gehen alle Instrumente auf Tournee, braucht man 100 Kisten und 3 große LKW erzählt mir Bernhard Kircher – außerdem käme es immer auf das Programm an – es gibt Stücke, da sind schon mal 14 Pauken dabei- bei Berlioz zum Beispiel.  Ich erfahre von Quirin Gerstenecker, dass Hector Berlioz im kommenden Jahr ein Schwerpunkt des Orchesters gewidmet ist – heuer hat man mit Philippe Jordan, dem derzeitigen Chefdirigenten, erfolgreich Beethoven in großem Umfang aufgeführt und eingespielt.

Überhaupt haben die Wiener Symphoniker einen ziemlich vollen Terminkalender...

Seit 2018 gibt es die Grätzlkonzerte in Wien – die Musiker spielen an ungewöhnlichen Orten in den Stadtbezirken. Tolle Initiative – die Konzerte kommen beim Publikum sehr gut an und es finden Menschen zur klassischen Musik, die sonst weniger Zugang haben. Die Karten sind günstiger als im Musikverein oder dem Konzerthaus, die Programme umfassen bekanntere Stücke – die erstklassige Qualität des Musizierens steht jedoch außer Frage.

Ich frage, was das Orchester für heuer im Sommer plant und erfahre, dass es neben den Grätzlkonzerten noch 5 Konzerte im Museumsquartier geben wird, man bis zum Ende der aktuellen Saison 6 mal im Musikverein und 7mal im Konzerthaus spielt, danach geht es auf Tournee nach Paris, in die Schweiz und nach Deutschland und dann steht schon wieder Bregenz am Reiseplan. Neben der Seebühne, wo heuer nochmals CARMEN auf dem Festspielprogrammsteht, spielen die Symphoniker 3 Orchesterkonzerte im Festspielhaus. Eine schöne Tradition ist der Tag der Wiener Symphoniker – wo einzelne Musikergruppen am Wochenende vor den Festspielen in der Innenstadt von Bregenz aufspielen. 

Während wir uns unterhalten, haben inzwischen alle Musiker auf der Bühne Platz genommen, der Dirigent Lahav Shani steht am Pult und die Solisten sind bereit für die Probe. Vor dem Orchester steht eine Frau mit einer Menge Listen in der Hand und gibt den genauen Ablauf der Probe und Änderungen bekannt. Als der Dirigent das Orchester übernimmt und die Musik einsetzt, kommt sie zu uns – es ist Corinne Pixner, die seit 11 Jahren im Orchesterbüro arbeitet. Ich frage sie nach ihren konkreten Aufgaben bei den Wiener Symphonikern und erfahre, dass sie vor allem für die Einteilung und Koordination der Musiker zuständig sei. „Manche nennen mich scherzhaft Geigerzähler“ erzählt sie mir lachend.

Sie zeigt mir die Einsatzpläne für dieses Konzert – man sieht genau, wer wann zu welcher Probe erscheinen muß und wie viele Pauker, Trompeter, Geiger und Cellisten, Flötisten und Fagottisten für welches Stück innerhalb des Konzertes im Einsatz sind.

Ziemlich herausfordernd. Es macht Spaß sagt sie und ja – sie ist selbst noch aktive Musikerin außerhalb des Orchesters – das Verständnis für die Musik und die Musiker helfen sicher in ihrem Job.

Abschließend möchte ich noch wissen, wie die Zukunft des Orchesters ausschaut.

Quirin Gerstenecker nennt mir 2 Fakten: jünger und weiblicher. In einigen Jahren steht ein Generationswechsel an, da gehen einige Musiker in Pension und bei den Probespielen bewerben sich immer mehr Frauen. Dass auch zukünftig gute Musiker in Wien ausgebildet werden, ist den Wiener Symphonikern ein Anliegen – sie gehen in die Schulen und veranstalten Konzerte und Workshops – bringen so die Liebe zur Musik hautnah zu den nächsten Generationen.

Ich genieße die Musik, die untergehende Sonne trägt zur perfekten Stimmung bei. Als ich mich verabschiede und den Heldenplatz verlasse, bin ich mir sicher – die hervorragende Qualität der Wiener Symphoniker ist in jedem Fall einen Spaziergang zu einem Konzert wert!

  

Dieser Beitrag entstand im Auftrag der Wien Products - www.wienproducts.at

 

Feldspat, Kaolin, Quartz und Wasser - zu Besuch in der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten

Seit nunmehr 300 Jahren wird in Wien Porzellan hergestellt – Zeit, einmal hinter die Kulissen und in die Werkstätten der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten zu schauen. Auf dem Stadtplan der WIEN PRODUCTS finde ich schnell das Schloß im Augarten und mache mich auf den Weg. Daniel Bauer, der Marketingchef begrüßt mich und wir starten unseren Rundgang.

Ich bin an diesem Vormittag nicht die Einzige, die neugierig auf die Manufakturarbeit ist – hier kann man sich als Besucher einer Führung anschließen und wird in die Geheimnisse der Porzellanherstellung eingeweiht.

Wir stehen im Formenbau und die beiden Herren, die hier arbeiten, zeigen uns, wie aus einem Modell eine Gieß- oder Drehform gebaut wird. Gips ist ihr bevorzugtes Material und ihre Arbeit nie zu Ende – die Formen können nur ca. zwanzigmal genutzt werden, dann muß man wieder neue herstellen. Man nimmt es sehr genau mit der Qualität des Porzellans – hier brennen die Mitarbeiter für ihr Handwerk – so scheint es. Auch in der Figurenabteilung, wo gerade frisch gegossene Mäuse aus ihrer Form befreit werden, ist Konzentration gefragt – viele Einzelteile werden von ruhiger Hand zusammengesetzt, bis alles ausschaut, als sei es „aus einem Guss“.

Wir stehen vor einer Kabine, in der alle Teile mit Druckluft gesäubert und dann gestempelt werden. Gestempelt? Daniel Bauer erklärt mir, dass jedes Stück Porzellan auf der Unterseite den kobaltblauen Bindenschild trägt, die Marke der Wiener Manufaktur, die auf Maria Theresia zurückgeht. Was Augarten mit Maria Theresia zu tun hat interessiert mich. Und so bekomme ich einen kurzen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Wiener Porzellans.

Vor 300 Jahren wurde Porzellan sprichwörtlich mit Gold aufgewogen und jeder Monarch war froh, wenn er einen Hersteller des delikaten Geschirrs um sich hatte. Claudius Innocentius du Paquier  - Hofkriegsagent unter Karl VI erhielt 1718 für 25 Jahre die Erlaubnis, exklusiv Porzellan für Wien und die Kronländer herstellen zu dürfen. Er tat dies in der heutigen Porzellangasse ziemlich erfolgreich - 25 Jahre später war er jedoch pleite und Maria Theresia übernahm die Manufaktur in kaiserlichen Besitz. Diese erlebte bis 1864 einige wirtschaftliche und künstlerische Höhepunkte, ehe sie geschlossen wurde und der Bestand ins damalige Gewerbemuseum – das heutige MAK wanderte.

Erst 1923 besann man sich auf die Tradition der Porzellanherstellung und gründete die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten am heutigen Standort. Wieder waren es Künstler wie Josef Hoffmann, Michael Powolny oder Ena Rottenberg,  die u.a. als Mitglieder der legendären Wiener Werkstätte Designgeschichte schrieben und bis heute beispielhafte Entwürfe schufen.

Heute arbeitet man mit zeitgenössischen Designern zusammen und produziert modernes Porzellan genau so wie die traditionellen Entwürfe.

Ich bin beeindruckt und wir setzen unseren Rundgang fort.

In der großen Brennhalle sehen wir, wie viele Einzelteile für einen Glühbrand in den Ofen wandern – sauber und behutsam auf einen großen Wagen gestapelt – offensichtlich mit System. Der Brennmeister lacht „klar – hier muß man seinen Kopf immer bei der Sache haben – das rohe Porzellan ist sehr fragil“.

Nach dem ersten Brand bei ca. 980 Grad, bei dem das Porzellan fast vollständig austrocknet, wird es von Hand glasiert und dann erneu gebrannt. Ich sehe fertiges weißes Porzellan und wundere mich, warum es im Vergleich zu den ungebrannten Stücken viel kleiner ist. „Hartporzellan, wie wir es herstellen, wird beim sogenannten Glatt- oder Glasurbrand bei 1380°C gebrannt, erklärt mir der Brennmeister – es erreicht dabei nochmals fast seinen Schmelzpunkt und schrumpft um ca. 13%“. Na Wahnsinn – jetzt verstehe ich auch, wieso die Figuren lauten Stützen bekommen und Tassen auf Pomsen gebrannt werden... Nur so behalten sie ihre makellose Form. Ganz schön aufwändig. Klar- daß da ein Teller mehr als billig produziertes Geschirr aus Fernost kostet.

Wir sind inzwischen durch die Gießerei und Dreherei spaziert, haben gesehen, wie die fertigen Teile kontrolliert und geschliffen werden und machen uns auf ins Obergeschoss zur Malerei.

Hier ist es still - an ihren Arbeitsplätzen sitzen die Porzellanmaler und arbeiten. Jeder hat sich spezialisiert – da gibt es die Blumenmaler, die mit leichter Hand Rosen und Vergißmeinicht auf Teller und Tassen malen, daneben bekommen Figuren Kleider und Gesichter aufgemalt und wiederum andere Kollegen malen die perfektesten Ränder in Gold, Platin oder Farbe. Als ich frage, ob das echt ist, ernte ich energisches Kopfnicken. Nach dem Brand werden die Edelmetalldetails noch behutsam mit einem Achatstein poliert.

Ich bin wirklich begeistert von der Geschicklichkeit der Handwerker – die ihren Beruf als Berufung sehen, wie ich erfahre. Man lernt sein gesamtes Berufsleben immer wieder dazu und stellt sich neuen Herausforderungen erklären mir die Mitarbeiter.

Apropos Herausforderung – ist es wirtschaftlich heute noch sinnvoll, so aufwändig zu produzieren? „Man braucht Menschen mit Sinn für das Handwerk und Verständnis für den Manufakturgedanken“ – bekomme ich als Antwort und „unser Eigentümer erhält somit die Produktion von weißem Gold, die vor 300 Jahren in Wien begann“.

Ich verabschiede mich und verlasse beeindruckt die Manufaktur. Wenn ich das nächste Mal Kaffee aus Augartenporzellan trinke, hoffe ich, dass es die Manufaktur noch lange gibt – denn die erstklassige Qualität des Porzellans ist jedenfalls einen Spaziergang in die Manufaktur wert.

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

 

Hier brennt es LICHTERLOH

Lichterloh – der Wohnverstärker kann man an der Fassade über dem Geschäft in der Gumpendorfer Straße lesen. Diese Adresse habe ich im schwarz weißen WIEN PRODUCTS Stadtplan gefunden.  Ich bin neugierig und möchte sehen, wie die Möbel vom Lichterloh Kunsthandel hergestellt werden und mache mich auf den Weg in die Dependance nach Favoriten in die Brotfabrik - wie das angesagte Areal jetzt heißt.

Gleich am Eingang Absberggasse findet man LICHTERLOH – unübersehbar prangt das WIEN PRODUCTS Emailschild neben der Eingangstür. Markus Pernhaupt – einer der drei Eigentümer der Firma empfängt mich und ich bekomme eine kurze Einführung – wer und was LICHTERLOH ist.

1989 lernten sich Markus Pernhaupt, Dagmar Moser und Christof Stein kennen – Moser und Pernhaupt hatten gerade das Kolleg Innenarchitektur in Mödling abgeschlossen, Stein war auch gerade auf der Suche nach beruflichen Herausforderungen.  Sie alle verband die Liebe zu gutem Design und so  wurde LICHTERLOH – der Wohnverstärker gegründet. Damals wie heute sind Finden, Sammeln, Restaurieren und Entwerfen ihre Passion – besonders Möbeldesign aus Österreich des 20. Und 21. Jahrhunderts erfährt bei den Spezialisten seine Würdigung.

Sie waren Pioniere, als sie unter anderem die Roland Rainer Sessel aus der Stadthalle nach deren „Entsorgung“ retteten – zusammen mit weiteren österreichischen Designs aus jener Zeit. Unzählige Möbel, die auf dem Müll landen sollten, wurden davor bewahrt.

Die Zeit der Biedermeiermöbel ist in Wien längst vorbei - Vintage und Fünfzigerjahre-Design angesagt  - entsprechende Geschäfte boomen. LICHTERLOH ist ein Leuchtturm in dieser Branche – hier „brennt“ man tatsächlich für diese Möbel.

Die Werkstatt in der Brotfabrik ist in drei Bereiche unterteilt –ich bekomme die einzelnen Räume gezeigt, in denen fleißig gewerkt wird. In der Schreinerei duftet es angenehm nach Holz – hier werden neben Restaurierungen natürlich auch die LICHTERLOH Möbel in Kleinstserien hergestellt, deren Design von Markus Pernhaupt stammt.

Nebenan ist die Metallabteilung am Werk – gerade wird ein neuer Kasten vollendet und erhält seine metallenen Fachtüren. Behutsam werden Schraubzwingen entfernt und die Türen aus Stahlblech eingepasst. Man sieht, dass die Männer Ahnung von ihrem Handwerk haben.

Einige Schritte weiter wird auch gearbeitet... „Wir bauen um und erweitern unsere Werkstatt“ erklärt mir Markus Pernhaupt. Gerade wird an der Decke ein Lärmschutz angebracht – „damit sich die Mieter über uns nicht gestört fühlen, wenn wir hier arbeiten und die Maschinen Lärm machen...“

Wir stehen vor der Kommode, die für jeden Wochentag eine Schublade hat und deshalb auch „Montag bis Sonntag“ heißt. Gebürstete Eiche trifft hier auf farbiges Glas, stimmige Formen und Farben – man möchte so ein Möbel haben. Daneben steht 3:2 – ein Kasten mit verschiebbaren Lochblechen, die als Schiebetüren dienen und gleichzeitig Blickfang des Möbels sind... Coole Namen haben die Möbel, die Pernhaupt entworfen hat – Thekla- das kreisförmige Spinnenregal, Birka, ein wunderschön schlichtes Daybed  oder Knecht – ein Bücherregal mit nachhaltiger Wirkung. Allesamt gibt es sie in limitierter Anzahl – es wird nichts auf Lager produziert. Ausgesucht schöne Materialien, eine schlichte, geradlinige Form, die handwerklich perfekte Verarbeitung und sparsam eingesetzte Farben machen diese Möbel besonders.

Daneben werden alte Stücke fachgerecht aufgearbeitet und heutigen Sicherheitsbestimmungen angepasst – vor allem die Elektrik bei Lampen bedarf großer Sorgfalt – man ist ständig auf der Suche nach passenden Teilen oder baut diese nach, wenn es sein muß. Alles im Namen des Designs und im Sinne ihrer Entwerfer.

Das LILO – wie die drei Betreiber ihr Geschäft in der Gumpendorfer Straße nennen – ist seit fast 30 Jahren Handelsplatz für besondere Möbelstücke und Ort legendärer Veranstaltungen.

Hier in der Brotfabrik möchte man in Zukunft aktiver werden. Es gibt spannende Pläne für das Objekt, die jedoch noch nicht verraten werden. Eines ist jedoch ganz sicher – die Qualität der Möbel ist in jedem Fall einen Spaziergang nach Favoriten in die Brotfabrik wert. 

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at