Feldspat, Kaolin, Quartz und Wasser - zu Besuch in der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten

Seit nunmehr 300 Jahren wird in Wien Porzellan hergestellt – Zeit, einmal hinter die Kulissen und in die Werkstätten der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten zu schauen. Auf dem Stadtplan der WIEN PRODUCTS finde ich schnell das Schloß im Augarten und mache mich auf den Weg. Daniel Bauer, der Marketingchef begrüßt mich und wir starten unseren Rundgang.

Ich bin an diesem Vormittag nicht die Einzige, die neugierig auf die Manufakturarbeit ist – hier kann man sich als Besucher einer Führung anschließen und wird in die Geheimnisse der Porzellanherstellung eingeweiht.

Wir stehen im Formenbau und die beiden Herren, die hier arbeiten, zeigen uns, wie aus einem Modell eine Gieß- oder Drehform gebaut wird. Gips ist ihr bevorzugtes Material und ihre Arbeit nie zu Ende – die Formen können nur ca. zwanzigmal genutzt werden, dann muß man wieder neue herstellen. Man nimmt es sehr genau mit der Qualität des Porzellans – hier brennen die Mitarbeiter für ihr Handwerk – so scheint es. Auch in der Figurenabteilung, wo gerade frisch gegossene Mäuse aus ihrer Form befreit werden, ist Konzentration gefragt – viele Einzelteile werden von ruhiger Hand zusammengesetzt, bis alles ausschaut, als sei es „aus einem Guss“.

Wir stehen vor einer Kabine, in der alle Teile mit Druckluft gesäubert und dann gestempelt werden. Gestempelt? Daniel Bauer erklärt mir, dass jedes Stück Porzellan auf der Unterseite den kobaltblauen Bindenschild trägt, die Marke der Wiener Manufaktur, die auf Maria Theresia zurückgeht. Was Augarten mit Maria Theresia zu tun hat interessiert mich. Und so bekomme ich einen kurzen Einblick in die wechselvolle Geschichte des Wiener Porzellans.

Vor 300 Jahren wurde Porzellan sprichwörtlich mit Gold aufgewogen und jeder Monarch war froh, wenn er einen Hersteller des delikaten Geschirrs um sich hatte. Claudius Innocentius du Paquier  - Hofkriegsagent unter Karl VI erhielt 1718 für 25 Jahre die Erlaubnis, exklusiv Porzellan für Wien und die Kronländer herstellen zu dürfen. Er tat dies in der heutigen Porzellangasse ziemlich erfolgreich - 25 Jahre später war er jedoch pleite und Maria Theresia übernahm die Manufaktur in kaiserlichen Besitz. Diese erlebte bis 1864 einige wirtschaftliche und künstlerische Höhepunkte, ehe sie geschlossen wurde und der Bestand ins damalige Gewerbemuseum – das heutige MAK wanderte.

Erst 1923 besann man sich auf die Tradition der Porzellanherstellung und gründete die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten am heutigen Standort. Wieder waren es Künstler wie Josef Hoffmann, Michael Powolny oder Ena Rottenberg,  die u.a. als Mitglieder der legendären Wiener Werkstätte Designgeschichte schrieben und bis heute beispielhafte Entwürfe schufen.

Heute arbeitet man mit zeitgenössischen Designern zusammen und produziert modernes Porzellan genau so wie die traditionellen Entwürfe.

Ich bin beeindruckt und wir setzen unseren Rundgang fort.

In der großen Brennhalle sehen wir, wie viele Einzelteile für einen Glühbrand in den Ofen wandern – sauber und behutsam auf einen großen Wagen gestapelt – offensichtlich mit System. Der Brennmeister lacht „klar – hier muß man seinen Kopf immer bei der Sache haben – das rohe Porzellan ist sehr fragil“.

Nach dem ersten Brand bei ca. 980 Grad, bei dem das Porzellan fast vollständig austrocknet, wird es von Hand glasiert und dann erneu gebrannt. Ich sehe fertiges weißes Porzellan und wundere mich, warum es im Vergleich zu den ungebrannten Stücken viel kleiner ist. „Hartporzellan, wie wir es herstellen, wird beim sogenannten Glatt- oder Glasurbrand bei 1380°C gebrannt, erklärt mir der Brennmeister – es erreicht dabei nochmals fast seinen Schmelzpunkt und schrumpft um ca. 13%“. Na Wahnsinn – jetzt verstehe ich auch, wieso die Figuren lauten Stützen bekommen und Tassen auf Pomsen gebrannt werden... Nur so behalten sie ihre makellose Form. Ganz schön aufwändig. Klar- daß da ein Teller mehr als billig produziertes Geschirr aus Fernost kostet.

Wir sind inzwischen durch die Gießerei und Dreherei spaziert, haben gesehen, wie die fertigen Teile kontrolliert und geschliffen werden und machen uns auf ins Obergeschoss zur Malerei.

Hier ist es still - an ihren Arbeitsplätzen sitzen die Porzellanmaler und arbeiten. Jeder hat sich spezialisiert – da gibt es die Blumenmaler, die mit leichter Hand Rosen und Vergißmeinicht auf Teller und Tassen malen, daneben bekommen Figuren Kleider und Gesichter aufgemalt und wiederum andere Kollegen malen die perfektesten Ränder in Gold, Platin oder Farbe. Als ich frage, ob das echt ist, ernte ich energisches Kopfnicken. Nach dem Brand werden die Edelmetalldetails noch behutsam mit einem Achatstein poliert.

Ich bin wirklich begeistert von der Geschicklichkeit der Handwerker – die ihren Beruf als Berufung sehen, wie ich erfahre. Man lernt sein gesamtes Berufsleben immer wieder dazu und stellt sich neuen Herausforderungen erklären mir die Mitarbeiter.

Apropos Herausforderung – ist es wirtschaftlich heute noch sinnvoll, so aufwändig zu produzieren? „Man braucht Menschen mit Sinn für das Handwerk und Verständnis für den Manufakturgedanken“ – bekomme ich als Antwort und „unser Eigentümer erhält somit die Produktion von weißem Gold, die vor 300 Jahren in Wien begann“.

Ich verabschiede mich und verlasse beeindruckt die Manufaktur. Wenn ich das nächste Mal Kaffee aus Augartenporzellan trinke, hoffe ich, dass es die Manufaktur noch lange gibt – denn die erstklassige Qualität des Porzellans ist jedenfalls einen Spaziergang in die Manufaktur wert.

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

 

Hier brennt es LICHTERLOH

Lichterloh – der Wohnverstärker kann man an der Fassade über dem Geschäft in der Gumpendorfer Straße lesen. Diese Adresse habe ich im schwarz weißen WIEN PRODUCTS Stadtplan gefunden.  Ich bin neugierig und möchte sehen, wie die Möbel vom Lichterloh Kunsthandel hergestellt werden und mache mich auf den Weg in die Dependance nach Favoriten in die Brotfabrik - wie das angesagte Areal jetzt heißt.

Gleich am Eingang Absberggasse findet man LICHTERLOH – unübersehbar prangt das WIEN PRODUCTS Emailschild neben der Eingangstür. Markus Pernhaupt – einer der drei Eigentümer der Firma empfängt mich und ich bekomme eine kurze Einführung – wer und was LICHTERLOH ist.

1989 lernten sich Markus Pernhaupt, Dagmar Moser und Christof Stein kennen – Moser und Pernhaupt hatten gerade das Kolleg Innenarchitektur in Mödling abgeschlossen, Stein war auch gerade auf der Suche nach beruflichen Herausforderungen.  Sie alle verband die Liebe zu gutem Design und so  wurde LICHTERLOH – der Wohnverstärker gegründet. Damals wie heute sind Finden, Sammeln, Restaurieren und Entwerfen ihre Passion – besonders Möbeldesign aus Österreich des 20. Und 21. Jahrhunderts erfährt bei den Spezialisten seine Würdigung.

Sie waren Pioniere, als sie unter anderem die Roland Rainer Sessel aus der Stadthalle nach deren „Entsorgung“ retteten – zusammen mit weiteren österreichischen Designs aus jener Zeit. Unzählige Möbel, die auf dem Müll landen sollten, wurden davor bewahrt.

Die Zeit der Biedermeiermöbel ist in Wien längst vorbei - Vintage und Fünfzigerjahre-Design angesagt  - entsprechende Geschäfte boomen. LICHTERLOH ist ein Leuchtturm in dieser Branche – hier „brennt“ man tatsächlich für diese Möbel.

Die Werkstatt in der Brotfabrik ist in drei Bereiche unterteilt –ich bekomme die einzelnen Räume gezeigt, in denen fleißig gewerkt wird. In der Schreinerei duftet es angenehm nach Holz – hier werden neben Restaurierungen natürlich auch die LICHTERLOH Möbel in Kleinstserien hergestellt, deren Design von Markus Pernhaupt stammt.

Nebenan ist die Metallabteilung am Werk – gerade wird ein neuer Kasten vollendet und erhält seine metallenen Fachtüren. Behutsam werden Schraubzwingen entfernt und die Türen aus Stahlblech eingepasst. Man sieht, dass die Männer Ahnung von ihrem Handwerk haben.

Einige Schritte weiter wird auch gearbeitet... „Wir bauen um und erweitern unsere Werkstatt“ erklärt mir Markus Pernhaupt. Gerade wird an der Decke ein Lärmschutz angebracht – „damit sich die Mieter über uns nicht gestört fühlen, wenn wir hier arbeiten und die Maschinen Lärm machen...“

Wir stehen vor der Kommode, die für jeden Wochentag eine Schublade hat und deshalb auch „Montag bis Sonntag“ heißt. Gebürstete Eiche trifft hier auf farbiges Glas, stimmige Formen und Farben – man möchte so ein Möbel haben. Daneben steht 3:2 – ein Kasten mit verschiebbaren Lochblechen, die als Schiebetüren dienen und gleichzeitig Blickfang des Möbels sind... Coole Namen haben die Möbel, die Pernhaupt entworfen hat – Thekla- das kreisförmige Spinnenregal, Birka, ein wunderschön schlichtes Daybed  oder Knecht – ein Bücherregal mit nachhaltiger Wirkung. Allesamt gibt es sie in limitierter Anzahl – es wird nichts auf Lager produziert. Ausgesucht schöne Materialien, eine schlichte, geradlinige Form, die handwerklich perfekte Verarbeitung und sparsam eingesetzte Farben machen diese Möbel besonders.

Daneben werden alte Stücke fachgerecht aufgearbeitet und heutigen Sicherheitsbestimmungen angepasst – vor allem die Elektrik bei Lampen bedarf großer Sorgfalt – man ist ständig auf der Suche nach passenden Teilen oder baut diese nach, wenn es sein muß. Alles im Namen des Designs und im Sinne ihrer Entwerfer.

Das LILO – wie die drei Betreiber ihr Geschäft in der Gumpendorfer Straße nennen – ist seit fast 30 Jahren Handelsplatz für besondere Möbelstücke und Ort legendärer Veranstaltungen.

Hier in der Brotfabrik möchte man in Zukunft aktiver werden. Es gibt spannende Pläne für das Objekt, die jedoch noch nicht verraten werden. Eines ist jedoch ganz sicher – die Qualität der Möbel ist in jedem Fall einen Spaziergang nach Favoriten in die Brotfabrik wert. 

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Spuren von Sand auf Glas. Bei der Fritz Spatny Edition.

Glück und Glas, wie leicht bricht das – sagt ein altes Sprichwort - und doch umgeben wir uns permanent mit dem fragilen Werkstoff.  Ich will wissen, was es mit Glück, Sand und Glas auf sich hat und konsultiere die  WIEN PRODUCTS Homepage www.wienproducts.at. Dann mache ich mich auf in den 10. Bezirk, wo in der Pernersdorfergasse die Werkstatt der Fritz Spatny Edition zu finden ist.

Dass man mit Sand Glas strahlen und so Muster und Motive auf das Material bringen kann, weiß man schon lange. In Wien gab es viele Glasereien, die das Handwerk beherrschten, erzählt mir der Chef Michael Müllner, als er mit mir die Werkstatt durchschreitet. Sein Großvater Fritz Spatny gründete 1931 sein Unternehmen im 5. Bezirk. Damals gab es ja noch viel mehr Glas in den typischen Wiener Wohnungen mit hohen Räumen und Flügeltüren und das wollte aufwändig gestaltet sein!.

Greift man heute oft zur billigeren Folie, um Glas undurchsichtig zu machen oder Motive aufzubringen, ist die Sandstrahltechnik um Einiges raffinierter.

Wir stehen am großen Arbeitstisch und die Handwerker sind gerade in ihrem Element. Ich bekomme praktisch live eine Einführung in die Kunst des Sandstrahlens.... Zuerst wird einmal festgelegt, was durchsichtig und was gestrahlt werden soll. Man kann den Positiv-Negativ Effekt selbst bestimmen – manchmal ist das Motiv sandgestrahlt und manchmal der Rest.

Man braucht eine ruhige Hand, um die Vorlagen auf Pergamentpapier zu übertragen und später mittels Folie auf das Glas zu bringen. Vor allem, wenn es um unterschiedliche Schattierungen geht, die man selbst bei komplexen Bildmotiven anbietet – sind Geduld und klares Vorgehen wichtig.

Ich schaue zu, wie ein Motiv aus der gelben Folie, die das gesamte Glas bedeckt, mit einem scharfen Skalpell vorsichtig Stück für Stück freigelegt wird. Diese Flächen werden später mit winzigkleinen Sandkörnern und einer großen Geschwindigkeit „beschossen“ und machen die Oberfläche des Glases undurchsichtig, rauen sie praktisch auf.

Möchte man eine noch bessere Tiefenwirkung erreichen, werden die Motive in Etappen aus der Folie geschnitten  - der wiederholte Vorgang des Sandstrahlens verstärkt bei jedem Durchgang die Wirkung – so erhält man fast einen 3D Effekt.

Ich bin begeistert. Gerade trägt ein Kollege die Glasscheibe in den Teil der Werkstatt, wo das Sandstrahlgerät steht. Ich darf ausnahmsweise zuschauen. Die Scheibe wird sorgfältig auf einer Ablage platziert und der Mitarbeiter verschwindet hinter einem durchsichtigen und teilweise beweglichen Vorhang. Nun beginnt der Sandstrahlprozess. Aus einem Druckluftschlauch – der Anblick erinnert mich an einen Feuerwehrschlauch – wird nun Sand mit einer definierten Körnung unter hohem Druck auf die Scheibe „gestrahlt“. Dabei ist es wichtig, dass der Handwerker den „Sandstrahl“ sehr gleichmäßig und ruhig über die Scheibe führt – nichts auslässt aber auch nichts doppelt bestrahlt.

Fertig. Jetzt wird die Scheibe behutsam wieder zurück auf den großen Arbeitstisch gelegt und das Ganze genau geprüft. Hier ist man mit Adleraugen am Werk! Wenn alles passt, wird die Folie sehr vorsichtig vom Glas entfernt – auch eine Arbeit für Geduldige.

Nach einiger Zeit liegt das fertige Stück vor uns – tolle Arbeit! Mich interessiert natürlich, wer hier so alles Glas auf diese Weise verschönern lässt. Die beiden Handwerker lachen – und erzählen mir, dass es neben Privatkunden natürlich auch Öffentliche Einrichtungen wie Theater oder Ähnliches sind, wo zum Beispiel Scheiben von Schwingtüren zu Bruch gehen und diese hier in Favoriten neu gefertigt werden. Gerade in den alten typischen Wiener Wohnungen mit hohen Räumen und Flügeltüren en masse besteht immer wieder Nachfrage nach den Scheiben. Manche von ihnen sind beschädigt, andere zu Bruch gegangen – in jedem Fall sind die Bewohner dieser Wohnungen froh, wenn sie die richtigen Partner zur Lösung ihres Problems finden. Glück im doppelten Sinne.

Und dann gibt es Kunden, die Extravagantes lieben und sich – passend zu ihren Möbelstoffen – zum Beispiel Tischplatten oder Spiegelelemente anfertigen lassen, die vor allem mit Hinterleuchtung einen ganz reizvollen Effekt im Raum haben.

Die Mitarbeiter der Edition Fritz Spatny sind künstlerisch sehr begabt und flexibel in ihrem Tun. Auch ganz moderne Entwürfe, Schriftzüge, Logos und so weiter werden hier umgesetzt. Nicht nur auf Glas, sondern auch Holz, Stein, Kunststoff lassen sich so bearbeiten und individuell gestalten.

In Wien gibt es eine ganze Menge Anwendungen im öffentlichen und privaten Bereich, die hier in der Werkstatt entstanden sind. Sogar Trinkgläser erhielten schon mittels Sandstrahltechnik eine interessante Oberfläche.

Man spürt, dass die Handwerker ihr Metier verstehen und mit Leidenschaft ihrer Arbeit nachgehen. Als ich – beeindruckt vom Erfahrenen – die Werkstatträume verlasse und durch die Stadt spaziere, fallen mir an vielen Stellen plötzlich besonders gestaltetet Glasscheiben ins Auge. Ich bin mir sicher – nicht nur für mich ist die besondere Qualität der Fritz Spatny Edition einen Spaziergang nach Favoriten wert. 

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Ja ich will! ...ins Museumsquartier

Besonders spannend sind ja Ausflüge an Orte, von denen man glaubt, sie gut zu kennen. Wie zum Bespiel das MQ - Museumsquartier Wien, in das mich mein aktueller Blogbeitrag führt und für das den WIEN PRODUCTS Stadtplan nicht konsultieren muss. Man könnte mit dem Auto direkt in der Tiefgarage parken, umweltschonender ist jedoch die Anfahrt mit den Öffis, die U2, der 48A – um nur zwei Möglichkeiten zu nennen, halten in unmittelbarer Nähe.

Ich bin verabredet mit Irene Preissler und Erwin Uhrmann, die für die PR der „Errichtungs- und BetriebsgmbH“ – wie das Unternehmen korrekt heißt, zuständig sind.

Jeder hat wohl seine ganz persönliche Vorstellung, was das MQ eigentlich ist. Wir sitzen an einem modernen Besprechungstisch in einer der drei Barocken Suiten  direkt über dem zentralen Eingang und ich bekomme einen superspannenden Einblick in das Museumsquartier.

Das 90.000 qm Nutzfläche umfassende Areal liegt mitten in der Stadt und sollte eigentlich einmal die Begrenzung eines Kaiserforums werden, das mit dem heutigen Maria Theresien – Platz, den beiden Museen und der Hofburg als Gegenpart ein beeindruckendes architektonisches Ensemble ist. Schnurgerade verläuft die Mittelachse und auf ihr strömen gleichzeitig zig Besucher pro Minute ins Museumsquartier.  Wir schauen auf die vielen Menschen und ich bekomme einen kleinen geschichtlichen Exkurs...

Gebaut wurde das Areal im frühen 18. Jahrhundert – die Hauptfassade, die Fischer von Erlach den ehemaligen Hofstallungen gab, existiert noch heute und steht selbstverständlich unter Denkmalschutz. Mit bis zu 600 Pferden, die hier Quartier hatten war es einst die größte Hofstallungsanlage Europas. In den drei Barocken Suiten – die heute für Veranstaltungen gemietet werden können – wohnte damals der Oberhofmeister mit seiner Familie – auch die übrigen Angestellten hatten Wohnungen auf dem Gelände. Bis heute gibt es ca. 40 Wohnungen innerhalb des MQ und ja – in einigen wohnen noch die Nachfahren jener Stallmeister etc. die damals hier das Recht auf Wohnraum erworben hatten. Ich bin sprachlos – alles hätte ich erwartet aber keine Wohnungen. Meine beiden Gesprächspartner lachen und zählen mir auf, wer noch alles seinen Sitz im MQ hat.

Das MUMOK, die Kunsthalle und das Leopoldmuseum kennen ja die meisten – auch das AZ – das Architekturzentrum ist vielen noch bekannt. Daneben gibt es jedoch mit dem Q21 eine Menge Büros, wo hauptsächlich mit und für die Kunst und Kultur gearbeitet wird. Zahlreiche Interessenvertretungen sind hier, es gibt Räume, die gemietet werden können und zehn Gastronomiebetriebe sorgen für vielfältige kulinarische Erlebnisse.

Wie organisiert man das alles und bringt die Interessen unter einen Hut will ich wissen. 45 Mitarbeiter sind zum Beispiel damit beschäftigt, dass wir täglich ein sauberes Areal betreten, alle Sicherheitseinrichtungen gewartet und Zugänge geöffnet sind. Den Herrn der Schlüssel habe ich kurz kennengelernt, er kennt jeden Winkel auf dem Areal und weiß, wie man am besten wohin kommt und wie sich welche Tür öffnet. Eine große Verantwortung – zählt man inzwischen mehr als 4 Millionen Besucher pro Jahr. Als das MQ 2001 eröffnet wurde, waren es gerade mal eine Million – inzwischen wurde viel getan – das MQ ist eine Stadt in der Stadt geworden.

Während unseres Gesprächs kommen Dr. Strasser, der Direktor des MQ und seine Stellvertreterin herein – es gibt kurz etwas zu klären. Schnell einigt man sich auf eine Lösung und ich kann den ersten Mann des MQ noch zu seiner persönlichen Beschreibung des Museumsquartiers befragen. Ganz klar sagt er – wir nutzen das historische Erbe und bauen etwas Neues auf. Wichtig ist ihm, dass es keine kommerziellen Anreize gibt, es soll ein demokratischer Ort sein, an dem sich jeder aufhalten kann ohne etwas konsumieren zu müssen.

In Zeiten wie diesen ist das eine großartige Idee. Meine Gesprächspartner ergänzen noch, was den Besuchern alles geboten wird. Während des MQ Sommers gibt es von Mai bis September ca.120 Veranstaltungen unter freiem Himmel, die bei kostenlosem Eintritt besucht werden können. Mit dem O-Töne Festival veranstaltet man zum Beispiel das größte Literaturfestival in Europa. Das Tanzquartier ist wichtiger Teil des kulturellen Erlebens und manch einer hat seine Schwellenangst vor solchen Veranstaltungen hier im MQ abgelegt.

Familien mit Kindern genießen die autofreie Zone, die Möbel werden von hunderten Besuchern individuell genutzt und für manche hat hier auch ihre ganz persönliche Liebesgeschichte begonnen. Heiratsanträge sind gar nicht so selten, werde ich aufgeklärt – auch Hochzeiten finden regelmäßig hier statt und inzwischen kommen die Paare mit ihren Kindern und zeigen denen die Plätze, wo sie als Jugendliche waren.

Statistisch gesehen ist der Durchschnittsbesucher 36-37 Jahre alt. Er genießt die Stille mitten in der Stadt, kann entspannen und sowohl allein sein als auch Bekanntschaften schließen.

Spannendes Detail im Sommer: während in der Stadt und den umliegenden Straßen oft die Hitze steht, weht im Inneren des MQ immer ein leichter Hauch. Das liegt an den im 18. Jahrhundert perfekt geplanten Eingängen – vier an der Zahl, die für Durchzug sorgen.

Man hat das Gefühl von einer Art familiärer Zusammengehörigkeit der Institutionen hier – was mir auch bestätigt wird – man geht offen und fair miteinander um und setzt auf das „gemeinsam stärker“ Prinzip.

Beeindruckt und begeistert vom Gespräch verabschiede ich mich, schaue auf einen Sprung im MQ Point vorbei und bestaune später auf dem Vorplatz noch die coole Minigolfanlage.

Eines ist sicher – im MQ verbringt man „Qualitytime“ und die ist jedenfalls einen Spaziergang zum und im Museumsquartier Wien wert.

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Durch's Feuer gehen - Schmuck von FREY WILLE

Wer kennt sie nicht- die farbenfrohen Schmuckstücke aus der Manufaktur FREYWILLE. Weil mich interessiert, wie der Emailschmuck entsteht, forsche ich auf der WIEN PRODUCTS Website www.wienproducts.at nach der Adresse und mache mich auf nach Mariahilf in die Gumpendorfer Straße, wo seit ihrer Gründung die Firma FREYWILLE ihren Sitz hat.

Ich gehe durch einen wild romantischen Hof und gelange schließlich mit einem Lift zur Anmeldung in den zweiten Stock. Dort begrüßt mich  Laura Pietsch-Habersohn vom Marketing und begleitet mich in den vierten Stock. Im letzten Stockwerk – mit einer herrlichen Aussicht über die Dächer der umliegenden Gebäude haben die Kreativabteilung und das Marketing ihre Arbeitsplätze. Gerade diskutiert man die geplante Schaufensterdeko zum Valentinstag vor einem Modell. Liebesbriefe sind heuer das Thema – Herzen und kunstvoll adressierte Umschläge lenken die Aufmerksamkeit auf die Schmuckstücke, die zu diesem Anlass verschenkt werden sollen.

Ein einheitliches und gepflegtes Erscheinungsbild ist dem Unternehmen wichtig, man betreibt an die 80 Geschäfte in 30 Ländern und beliefert ausgewählte Juwelierpartner. Der Wiedererkennungseffekt ist also mit einer guten Schaufensterdekoration gegeben.

Was ist denn  das Besondere an den Schmuckstücken möchte ich von den Damen im Marketing wissen....  „Wir produzieren unseren Schmuck im Haus selbst – die Feueremailtechnik ist ganz besonders und ein großes Geheimnis. Das beginnt schon beim Untergrund und den Farben, reicht über die Auftragstechnik bis hin zum Brennen....“

Ich staune und will wissen, wie es eigentlich dazu kam, dass hier auf der Gumpendorferstraße Emailschmuck produziert wird...

Was 1951 mit der Künstlerin Michaela Frey als Emailmanufaktur klein begann, ist heute ein Familienunternehmen mit ca. 550 Mitarbeitern weltweit - produziert wird nach wie vor in Wien. Man ist stolz auf das selten gewordene Handwerk und tüftelt immer wieder an neuen Ideen und Möglichkeiten.

Damit ich einen Einblick in die Gestaltung der Schmuckkollektionen bekomme, schauen wir den 6 Designern bei ihrer Arbeit über die Schulter. Hier wird schon an neuen Kreationen gearbeitet, die natürlich noch top secret sind.

Im Atelier der Künstler – denn so muß man die Gestalter tatsächlich bezeichnen – finden sich regalweise Kunstliteratur, Moodboards zu bestimmten Künstlern und Themen, Farb- und diverse Materialproben.

Es dauert knapp 2 Jahre, bis aus einer Idee eine Schmuckkollektion entstanden ist, wird mir erklärt. Man diskutiert gemeinsam mit dem Firmeninhaber Ideen, macht Vorschläge – die Entscheidung fällt schlussendlich Dr. Wille. Und dann wird an den Ideen gearbeitet – werden Museen besucht, Literatur gewälzt, Möglichkeiten ausprobiert, viele Ideen skizziert und dann doch wieder verworfen...bis das Ideal gefunden wurde.

Das ist nicht ganz einfach, umfasst eine Kollektion doch eine Vielzahl verschiedener Schmuckstücke wie Ringe in unterschiedlichen Breiten, Armreifen, Kettenanhänger, Ohrschmuck und so weiter. Das alles muss man sich noch in verschiedenen Größen und Breiten vorstellen und dann wiederum in 18k Gold oder seit Neuestem Roségold oder Rhodium Palladium gefasst. Jedes einzelne Schmuckstück erfordert genaueste Planung bei der Gestaltung, einerseits sollte es für sich allein wirken und andererseits darf es den Bezug zur Kollektion nicht verlieren – in jedem Stück muss die Grundidee und Handschrift eindeutig erkennbar sein. Kein leichtes Unterfangen. Welcher Schmuck wird denn am meisten gekauft frage ich in die Runde.

„Unsere Künstlereditionen haben Fans genau so wie die Classic Kollektionen – die Herrenkollektionen sind beliebt und die Accessoires ebenfalls – jedes Land hat so seine Vorlieben, ist kulturell geprägt.“

Hier stellt man eine Vielzahl von Produkten her, bei der man die Übersicht behalten muss. Die Damen lachen – sie kennen sich bestens aus, arbeiten zum Teil bereits seit 20-30 Jahren im Unternehmen und sind immer noch voller Leidenschaft am Werk.

Gerade hier oben in der Designabteilung passiert Vieles – hier müssen die Farben mit der Produktion abgestimmt werden, an alle Eventualitäten gedacht und Stolpersteine bereits im Vorfeld der Produktion aus dem Weg geräumt werden.

Ist eine Kollektion dann komplett geplant, geht es in die Produktion, die sich im gleichen Gebäude im Keller befindet. Hundert Handgriffe braucht es mindestens, bis ein Schmuckstück fertig ist – die verschiedenen Farbschichten werden einzeln aufgetragen und bei bis zu 800 Grad gebrannt. Inzwischen gibt es Besonderheiten wie reliefartige Details, Farbverläufe und andere Raffinessen. Bedenkt man, dass es im Grunde genommen farbiges Glas ist mit dem hier gezaubert wird, erstaunt das Ergebnis umso mehr.

Man jagt hier keinen kurzlebigen Trends nach – sondern hat sich der Kunst verschrieben, ist aber modischen Einflüssen nicht abgeneigt – seit Kurzem gibt es die schmalen monochromen Armreifen, die man einzeln oder kombiniert tragen kann. Immer geht es um Stil und Gestaltung – Tradition und Leidenschaft für das Handwerk.

Ich verlasse die Emailmanufaktur; als ich mich umschaue und das Logo – die Sphinx auf dunkelblauem Untergrund betrachte, bin ich mir sicher – die Qualität ist in jedem Fall einen Spaziergang in eine der Boutiquen von FREYWILLE wert. 

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Rüttelbretter und prickelnde Erkenntnisse bei Schlumberger

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel interessiere ich mich für passende Getränke – in Wien denkt man dabei natürlich an die Marke Schlumberger – die heuer ihren 175. Geburtstag feierte. 

Ich befrage wie immer den zuverlässigen WIEN PRODUCTS Stadtplan und mache mich auf den Weg in den 19. Bezirk – die Heiligenstädterstraße 41-43 ist mein Ziel.

Ich bin mit Markus Graser verabredet, der sich super auskennt und mit dem ich durch die Schlumberger Kellerwelten spaziere. Ich bin nicht die einzige Besucherin an diesem Nachmittag – dutzende Interessierte sammeln sich beim Empfang zu einer Kellerführung - es handelt sich aber nicht um Touristen, sondern um Wiener, die wissen, wollen, wie Schlumberger Schaumwein hergestellt wird.

Der Beginn der Herstellung von Schlumberger erfolgt in Niederösterreich, genauer genommen in Bad Vöslau, wo 1842 die Geschichte des Unternehmens mit Robert Alwin Schlumberger begann. Der in Stuttgart geborene Schlumberger hatte in Reims in der Champagnerkellerei Ruinart Pére et Fils das Handwerk der Champagnerherstellung gelernt, es bis zum Kellermeister und Produktionsleiter gebracht und sich später bei einer Rheinschifffahrt in eine Wienerin verliebt. Er folgte ihr an die Donau und begründete hier die erste Champagnerproduktion. Seine Erzeugnisse eroberten rasch die Gesellschaft- Kaiser und Adel liebten den prickelnden Genuss und so wurde man schnell k&k Hoflieferant. Heute darf man die Erzeugnisse nicht mehr Champagner nennen – die Herkunftsbezeichnung tragen ausschließlich die Getränke aus der französischen Champagne.

Allein der Zusatz „Méthode Traditionnelle“ gibt Auskunft darüber, dass es sich bei Schlumberger Schaumweinen um edle Getränke handelt, die sehr viel Aufmerksamkeit und Handarbeit erfordern, bevor wir sie genießen können.

Ich will wissen, woher denn die Weine kommen, welche die Grundweine bilden. Markus Graser erklärt mir, dass man genau darauf achtet, ausschließlich österreichische Weine von Vertragswinzern zu verarbeiten. Da diese Produktionsschritte in Bad Vöslau stattfinden, tippe ich auf die Thermenregion – liege aber ziemlich daneben. Der Hauptteil der Trauben kommt aus der Region Poysdorf im Weinviertel – die justament auf dem gleichen Breitengrad liegt wie die Champagne.  

Hier in den Kellern in Heiligenstadt bekommen die Cuvées, die bei Schlumberger zwischen 12 und 18 Monaten auf der Hefe liegen, ihren letzten Schliff.

Wir gehen durch die langen Gewölbekeller, die die Namen der 12 Apostel tragen -   vorbei an unzähligen Rüttelbrettern voller Flaschen, in denen gerade Rosé lagert und seiner endgültigen Reife harrt.

6-12 Wochen dauert das und wird immer wieder durch das händische Rütteln unterbrochen. Dabei nehmen die Kellermeister jeweils zwei Flaschen, die mit Kronkorken verschlossen sind aus dem Brett, schütteln diese leicht und drehen sie um jeweils 1/8 und lagern sie in einem steileren Winkel auf dem Rüttelbrett.

Remuage nennt sich das – wie überhaupt die Bezeichnungen noch immer französisch geprägt sind. Dabei senkt sich die Hefe, die zur Flaschengärung durch die Fülldosage hinzugegeben wurde, nach und nach in den Flaschenhals und bildet einen Hefepfropfen. Übrigens - nicht jede Falsche ist für Schaumwein geeignet – man braucht dickwandigere Falschen als beim Wein und auch der Boden hat eine Wölbung nach innen, damit der Druck von ca. 6 bar die Flasche nicht zum Platzen bringt.

Im nächsten Arbeitsschritt beim Degorgieren wird der Flaschenhals mit dem Hefepfropfen mittels Kältebade vereist und die kopfüber stehende Flasche geöffnet, indem der Kronkorken entfernt wird. Dabei entweicht der kleine Hefepfropfen vollständig und nimmt die gesamte Hefe aus der Flasche mit. Der in der Flasche zurückbleibende Schaumwein ist optisch klar, erhält die Dosage, die über den endgültigen Geschmack entscheidet und  und wird mit einem  Naturkorken und der Agraffe verschlossen.

Vom Beginn der Herstellung bis zum fertigen Produkt vergehen bei Schlumberger mehr als 3 Jahre – eine lange Zeit, in der Spezialisten permanent um die beste Qualität bemüht sind.

Bei Schlumberger wird zum Beispiel eine eigens gezüchtete Hefe verwendet, man entwickelt neue Sorten und setzt auf hohe Qualität. Bereits Robert Alwin Schlumberger war ein Pionier auf vielen Gebieten – er hat beispielsweise als erster die aus Frankreich stammenden Rotweinsorten Cabernet Sauvignon und Merlot in Österreich kultiviert. Eine alte Holzpresse aus dieser Zeit steht majestätisch in den Kellerwelten – mit dieser Holzpresse wurden zum Beispiel die Merlot-Trauben ganz vorsichtig gepresst und der gewonnene weißeTraubensaft später zu Blanc de Noir verarbeitet – eine Sorte, die es bis heute bei Schlumberger gibt.

Staunend höre ich zu, als mir Markus Glaser die vielen prickelnden Sorten aufzählt, die Schlumberger produziert. Neben den Standards sind das zum Beispiel Spezialitäten wie Brut Nature ohne Dosage oder sortenreine Schaumweine wie Sauvignon Blanc, Blanc de Noirs oder die Prestige Cuvees wie Schlumberger DOM und Schlumberger DOM T.FX.T , der in Zusammenarbeit mit den Manfred Tement, Illa Szemes und F.X. Pichler entstanden ist.

Dass man diese prickelnden Köstlichkeiten zu einem tollen Preis/Leistungsverhältnis kaufen kann, macht Kenner froh – bei Blindverkostungen schneiden Schlumberger Schaumweine immer extrem gut ab.

Ich bin nicht nur beeindruckt von all den Informationen, sondern auch begeistert vom Geschmack, nachdem ich zum Abschluß unseres Rundgangs einen Brut Nature kosten darf. Umwerfender Geschmack. Ich weiß schon, womit ich das neue Jahr begrüßen werde. Die herausragende Qualität von Schlumberger ist in jedem Fall einen Spaziergang nach Heiligenstadt in die Kellerwelten wert.  

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Vom Lösegeld Richard Löwenherz' zum Wiener Philharmoniker - die Münze Österreich

Jeder von uns hat täglich Produkte der Münze Österreich in der Hand – die einen geben es mit vollen Händen aus - die anderen sammeln. Ich will wissen, wie Münzen hergestellt werden, konsultiere den WIEN PRODUCTS Stadtplan  und mache mich auf zum Heumarkt, wo auf Hausnummer 1 die am längsten bestehende Firma Österreichs ihren Sitz hat.

Hier geht es um große Werte, deshalb sind die Sicherheitsbestimmungen hoch. Ich freue mich sehr, von Bernhard Urban – einem ausgewiesenen Experten durch das Haus und die Produktion geführt zu werden. Bisher hatte ich Titel wie Money von Pink Floyd oder Dagoberts Ducks Geldspeicher im Kopf, wenn ich an Münzen dachte  und war sehr gespannt auf das, was mich hier erwarten würde. 

Allein die Gründungsgeschichte ist schon großartig – sie entspinnt sich während eines Kreuzzuges an einem Streit zwischen Leopold V von Österreich  und Richard Löwenherz, seines Zeichens König von England – die sich nicht einigen konnten, wer der Kühnere bei der Eroberung von Akkon war... Der Zwist endete, wie wir wissen, mit der Gefangenschaft von Richard Löwenherz in Dürnstein. Freigekommen ist er am Ende durch eine hohe Lösegeldzahlung, die sich Leopold V mit dem deutschen Kaiser Heinrich VI teilte. Sage und schreibe 11 Tonnen Silber konnte Leopold für diverse Investitionen nutzen. Um 1194 wurde die erste Wiener Prägestätte erreichtet, wo das Silber aus dem Lösegeld unter den Prägehammer kam und zum berühmten Wiener Pfennig wurde.

Mit dem Wiener Pfennig ist es lange vorbei – auch mit dem Maria Theresien Taler kauft man heute nicht mehr am Naschmarkt ein – wenn die Karte beim Bezahlen nicht gezückt wird, tun es neben Papiergeld vor allem Euro- und Centmünzen, die in der Münze Österreich produziert werden. Das ist allerdings nur ein Teil der Aufgaben, die die Münzprägestätte im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank erfüllt. Hier werden mit großem handwerklichen Aufwand auch Sammlermünzen hergestellt, von denen der berühmte Wiener Philharmoniker ein echter Kassenschlager geworden ist.

Bis eine solche Münze beim Sammler landet, sind viele Arbeitsschritte notwendig, die in der Graveurie bei den Münzdesignern beginnen. Vier Graveure sitzen in hellen hohen Räumen und arbeiten ruhig an ihren Modellen aus Modellierwachs bzw. Gips. Es ist eine aufwändige Prozedur, bis aus dem Entwurf auf Papier das endgültige Gipsmodell im Maßstab 1:5 finalisiert wird. Durch mehrmaliges Umgießen entstehen immer wieder Positiv- und Negativformen, die im Detail bearbeitet werden. Auf 180mm Durchmesser im Gipsmodell entstehen so Reliefs mit einer maximalen Motivhöhe von 1,5mm. Dass wir am Ende ein Münzrelief in 3D bewundern können, liegt an der Komposition und der Genauigkeit, mit der hier zu Werke gegangen wird.

Beim Bau der Prägewerkzeuge verlässt man sich ebenfalls auf die eigenen hohen Ansprüche und erledigt das selbst im Haus. Auch hier ist absolute Genauigkeit gefragt, schließlich geht es um tausendstel Millimeter, wenn die Werkzeugstempel aus Stahl gefertigt werden. Die Klingen für die Fräswerkzeuge mit 0,1mm Durchmesser entstehen in Handarbeit. Überhaupt gehen hier alle Mitarbeiter mit großer Sorgfalt zu Werke – ob es sich um Werkzeuge, Prägungen, die Kontrolle oder die Logistik, das Gießen oder Verpacken handelt – die etwa 100 Mitarbeiter in der Produktion brennen offensichtlich für ihre Arbeit.

Egal wo wir vorbeikommen habe ich den Eindruck, dass die Mitarbeiter genau wissen, was sie tun und das auch überzeugend erklären können. Ich lerne so die Unterschiede zwischen einer Normalprägung (NP), einer Prägung Handgehoben (HGH)  und der Königsklasse Polierte Platte/Proof (PP/PROOF), bei der das Werkzeug nach jedem Prägevorgang von Hand gereinigt wird. Selbst Euromünzensets gibt es für Sammler in diesen Kategorien und jährlich neu. Überhaupt kümmert man sich in der Münze um Vielfalt. Zahlreiche Sondermünzen und Medaillen werden schon für 2018 und darüber hinaus geplant und entwickelt. Man braucht ca. 6 Monate Vorlaufzeit, damit alles pünktlich bei den Kunden eintrifft.

Wer sind eigentlich Kunden der Münze Österreich will ich wissen. Neben B2B Kunden wie Banken und Geldinstituten sind es auch Privatkunden aus aller Welt, die sich eigene Prägungen und Medaillen entwickeln und produzieren lassen. Die Münze Österreich gilt als eine der besten Prägeanstalten mit der höchsten Qualität weltweit und darauf ist man zu Recht sehr stolz.

Vom Prägesaal der Sondermünzen machen wir noch einen Abstecher in die Gießerei, wo jährlich rund 700 Tonnen Gold und Silber gegossen und zu endlosen Bändern gewalzt werden, aus denen dann die Ronden gestanzt werden, in die später die Motive geprägt werden.

Als wir zum Schluß in der hochmodernen und weitgehend automatisierten Prägestrasse der Euromünzen stehen, fühle ich mich tatsächlich wie bei Onkel Dagobert im Geldspeicher – hier fallen pro Minute 750 Münzen mit rhythmischem Klang in große Metallwagen, werden gerollt und verpackt.

Unser Rundgang endet wo er begann, im ersten Stock hinter der klassischen Fassade, wo die Geschichte der Prägestätte mit spannenden Stücken inszeniert wird. Hier geht es vor den hofseitigen Fenstern auch emsig zur Sache.  Auf dem begrünten Dach stehen einige Bienenstöcke, die von einem ehemaligen Mitarbeiter betreut werden und wo bienenfleißig ein anderes, flüssiges Gold entsteht – Wiener Honig.  

Ich verlasse das Haus und gebe meine Besucherkarte beim Portier zurück. Als ich losfahre, spielen die Wiener Philharmoniker im Radio.  Perfektes Finale.

Wenn ich demnächst ein paar Euros in der Hand habe, werde ich mich daran erinnern, wo und wie sie entstehen. Der Shop in der Münze Österreich am Heumarkt ist jedenfalls einen Spaziergang wert.  

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Ledergalanteristen am Werk - bei R.Horn's Wien

Als ich kürzlich durch die Schaufenster des neu eröffneten Shops von R.Horn’s in der Wiener Herrengasse schaute und beim Anblick der wunderschönen Taschen an Weihnachten dachte, beschloss ich, die Werkstatt zu besuchen.

Der Geruch von feinem Leder, den die Mitarbeiter nach vielen Jahren Arbeit dort nicht mehr wahrnehmen, kitzelt angenehm in der Nase. Unzählige sorgfältig gerollte farbige Lederhäute füllen ganze Regale – man möchte sie angreifen und die Qualität hautnah fühlen. Nebenan hört man eine Ledernähmaschine surren – dort werden aus zugeschnittenen Einzelteilen die edlen Produkte zusammengesetzt und mit Ösen, Druckknöpfen und Schnallen ausgestattet. Und hier erhalten sie auch den Prägestempel, das Logo der Marke.

Julian Horn, Sohn vom Firmengründer Robert Horn, stellt mir die Mitarbeiter vor und erklärt mir einzelne Produktionsschritte.

Die Entwürfe und Ideen kommen vom Chef Robert Horn oder von Kunden, die sich hier ihren ganz persönlichen Taschentraum erfüllen lassen. Wobei Taschen sind nicht die einzigen Produkte, die hergestellt werden – mittlerweile sind es ca. 100 verschiedene Kleinlederwaren,  die das bunte Portfolio ausmachen und vor allem im deutschen Sprachraum aber auch in den USA und Fernost sehr geschätzt werden.

Begonnen hat alles Anfang der 80iger Jahre, als Robert Horn – vielseitig begabt und interessiert - sein ganz spezielles Betätigungsfeld gesucht und damals in Lederaccessoires für Herren gefunden hat. Ein Foto aus den 1920iger Jahren von Thomas Mann, der eine Aktentasche in der Hand hält, war unter anderem die Inspirationsquelle für eine Tasche, die inzwischen ein R.Horn’s Klassiker ist. Ein weiterer berühmter Mann dieser Zeit – Sigmund Freud – spielt ebenfalls eine Rolle; „sein“ Brillenetui wird hier bis heute exklusiv von Hand gefertigt und mit einem entsprechenden Stempel versehen.

War die erste Kollektion cognacfarben, hat sich die Farbpalette mit den Jahren deutlich erweitert – heuer gab es zum Beispiel Taschen und Accessoires in sonnigem Gelb und kühlem Mint.

Die Entwürfe folgen grundsätzlich einem klassischen Vorbild aus der Zeit der Wiener Werkstätte und Entwerfern wie zum Beispiel Adolf Loos oder Josef Hoffmann mit einer klaren schnörkellosen Formensprache und besonderen funktionalen Details. Man läuft keiner kurzlebigen Mode hinterher, sondern gestaltet Produkte, die über Jahre eine wunderschöne Patina bekommen und zum Lieblingsstück ihrer Benutzer avancieren. Deshalb braucht man auch keine laute Werbung – die erstklassige Qualität spricht sich unter Kennern schnell herum.

Von A wie Ausleerer bis Z wie Zipp Börse -  bei einer Auswahl von über 100 Produkten wird man bei R.Horn’s garantiert fündig.

Mich interessiert natürlich, wie neue Entwürfe oder Ideen umgesetzt werden und werde überrascht: „Mein Vater kommt manchmal am Vormittag mit einer Idee in die Werkstatt, dann wird ein Plan besprochen und am Nachmittag gibt es meist schon den ersten Prototypen. Dieser wird perfektioniert und einige Tage später stehen Einzelexemplare bereits in den Geschäften. Hier bekommen wir die direkte Rückmeldung vom Kunden – gefällt oder gefällt nicht. Wenige Stücke blieben bisher Eintagsfliegen – die meisten gingen dann in Serie“.

Hut ab – es ist großartig – wenn man als Hersteller von der Idee über das Material, das Handwerk bis zum Verkauf alles in der Hand hat. Man muß sich natürlich auf die Mitarbeiter und deren Sorgfalt verlassen können – der Qualitätsanspruch ist hoch. Man sieht es bei R.Horn’s Produkten an Details wie dem Wiener Einschlag. Das Leder wird nach innen geschlagen, verklebt und erst dann vernäht – so gibt es keine offenen Kanten. Man steht dazu, ein aufwändiges Handwerk zu betreiben – die Produkte halten dann auch bis zu 20 Jahren und wachsen den Kunden ans Herz. Reparaturen erledigt man selbstverständlich im Haus – ein Service, zu dem der Kunde auch immer einen guten Rat zur Pflege vom Fachmann bekommt.

Die Mitarbeiter in der Werkstatt verstehen ihr Handwerk – sie sind schon lange dabei und wissen genau, worauf es bei jedem Produkt ankommt. Gibt es denn noch eine Ausbildung in Wien für dieses Handwerk will ich wissen. Im Fachjargon heißt der Beruf heute Ledergalanteriewarenerzeuger und Taschner – in Wien gibt es im 3. Bezirk in der Ungargasse eine dreijährige Ausbildung, die man als Geselle abschließt. Es existieren nur noch wenige Unternehmen in Wien, die selbst fertigen und so das Handwerk lebendig erhalten.

R.Horn’s Wien ist als Unternehmen organisch gewachsen, heute verkauft man die Lederwaren in vier Geschäften im ersten Bezirk – seit Anfang November gibt es den Shop in der Herrengasse – hier kommen viele Touristen vorbei. Manche werden ganz gezielt das Geschäft betreten, weil sie die Produkte schätzen und bereits im Onlineshop eingekauft haben. Das analoge Erlebnis ist jedoch viel inspirierender als der virtuelle Kauf – man kann die Dinge bei Tageslicht betrachten, bekommt kompetente Beratung und wenn man Glück hat, ist einer der Horns auch persönlich anwesend.

Ich verabschiede mich von den Lederspezialisten und verlasse die Werkstatt wirklich beeindruckt.

Vermutlich geht es allen Kunden so wie mir - die Qualität der Produkte von R.Horn’s Wien ist in jedem Fall und zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang in eines der Geschäfte wert.

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Venusbergmarillen und saure Gurken - bei Staud's ins Glas geschaut

Jeder von uns hatte das berühmte achteckige Glas schon in der Hand und köstliche Marmelade von Staud’s auf der Frühstückssemmel... Doch wenige ahnen, wie und wo die vielen Köstlichkeiten ins Glaserl kommen. Ich will es gern wissen  und verabrede mich mit Stefan Schauer in der Produktion in Ottakring – nicht weit vom berühmten Staud’s Pavillon am Yppenplatz. Der schwarz/weiße WIEN PRODUCTS Stadtplan weist mir den Weg.

Bevor ich auf den Hof einbiege, lese ich auf dem Tor: „Unser Geheimnis? Es gibt keines!“ Jetzt bin ich wirklich neugierig. Weil Sauberkeit und Hygiene hier oberstes Gebot sind, gibt es Arbeitsmantel und Haarnetz, gründliches Händewaschen und Desinfizieren - dann öffnen sich die Türen zu den Produktionshallen. Ein Duft von Früchten umgibt mich – hier sind Mitarbeiter gerade damit beschäftigt, Himbeeren für Kompott in Gläser zu schlichten. Bei mir zu Hause wird das immer Matsch – ich staune, dass die fragilen Früchte vollkommen unbeschadet im Glas landen und erfahre auch den Grund hierfür. Im Sommer, wenn alle Früchte fast gleichzeitig reifen, kann man diese nicht sofort verarbeiten. Deshalb wird das frisch geerntete Obst sorgsam eingefroren und später verarbeitet;  bei den Himbeeren geht man besonders schonend vor – sie werden einzeln gefrostet und später in Behältern im Kühlhaus gelagert - so bleibt die perfekte Form erhalten, wenn sie jetzt im gefrorenen Zustand ins Glas kommen.

Woher kommen eigentlich die Früchte, das Gemüse und die Zutaten, die hier im Glas landen? Stefan Schauer zählt auf: Man ist bestrebt, möglichst viel Einheimisches zu verarbeiten – entscheidend ist vor allem die Qualität und die verfügbare Menge. Bei Marillen und Weichseln gibt es sogar Lagenbezeichnungen für die Limitierten Editionen – da kann man die Herkunft direkt bis zum Garten verfolgen – wie zum Beispiel bei den Marillen vom Venusberggarten in Niederösterreich, deren Twist-off Verschluß das Bild der Venus von Willendorf ziert. Andere Sorten wie die „Ungarische Beste“ kommen zum Teil aus Ungarn – Orangen zum Beispiel aus Sevilla und Preiselbeeren aus Skandinavien.

Als Zutaten bei Marmeladen zählt mir Stefan Schauer Zucker,  Pektin, Apfelsaftkonzentrat als Alternative zum Zucker und Zitronensaftkonzentrat auf – auch die kommen vorwiegend von heimischen Anbietern, genau so wie die Gläser, die man in Pöchlarn herstellen lässt.

Wir sind inzwischen auf dem Weg zur nächsten Produktionshalle und wechseln kurz vom 16. in den 17. Bezirk. Hier wird gerade Marillenmarmelade hergestellt und abgefüllt – ich kann das von den Früchten bis zum Glas live mitverfolgen. Spannend ist das. Auch die Marillen sind im Sommer sortiert, gereinigt, entsteint und tiefgefroren worden – so bewahren sie ihr einzigartiges geschmacksintensives Aroma. Die Kübel mit je 10 kg Marillen werden sorgfältig kontrolliert und händisch in eine Wanne geleert - nach sanftem Transport durch ein Rohrsystem landen sie in einem großen Kessel, der ca. 700 Liter fasst. Zucker und Pektin werden automatisch und grammgenau angesaugt und dann geht es los – wir können über einen Monitor in das Innere des Kessels schauen – in dem ein Vakuum anliegt und wo die Masse unter gleichmäßigem Rühren auf ca. 80 Grad erhitzt wird. Ich dachte immer, man müsse Marmelade unbedingt kochen und erfahre, wie man das bei Staud’s macht.  

Hier kommt man – im Gegensatz zu „homemade mit 1:2 oder 1:3 Gelierzucker“  gänzlich ohne Konservierungsstoffe aus. Das Vakuum im Kessel bewirkt außerdem, daß der Dampf, der ja auch Geschmacksstoffe trägt – nicht entweichen kann, sondern ähnlich wie beim Destillieren – als Flüssigkeit wieder aufgefangen und der Masse zugesetzt wird. Hätte ich nicht vermutet – das beeindruckt mich. Jetzt ist die Marmelade fertig, es wird eine Handprobe entnommen und die Gelierprobe gemacht – ich darf kosten. Herrlich, ich bin im Marillenhimmel! Es kann abgefüllt werden.

Am anderen Ende der Halle stehen die Gläser palettenweise bereit und werden von flinken Mitarbeiterhänden auf ein Transportband gestellt, das den Rinser durchläuft, wo die Gläser mit steriler Luft ausgeblasen werden. Eines nach dem anderen wird mit der heißen frischen und unglaublich köstlich duftenden Marillenmarmelade gefüllt und sofort mit einem schwarzen Staud’s Twist-off Deckel verschlossen. Anschließend durchlaufen die Gläser ein heißes Bad, bei dem sie pasteurisiert werden. In schnurgeraden Reihen kommen sie danach an der Etikettiermaschine vorbeigefahren und erhalten ihre äußeren Werte – das Auge isst schließlich mit. Überall sind Mitarbeiter beschäftigt, die Abläufe zu kontrollieren, einzugreifen und die fertigen Gläser eingeschweißt auf Paletten zu packen.

Abwechslung wird hier groß geschrieben – neben 7 verschiedenen Glasgrößen von 37ml bis 1,7l sind es gefühlt hunderte Produkte, die von Staud’s hergestellt werden. Wir gehen abschließend zum Pavillon am Yppenplatz - das Staud’s Flagschiff. Hier stehen sauber in Regalen aufgereiht all die Delikatessen, die nicht nur wir lieben, sondern Gourmets weltweit zu schätzen wissen: Gurken in vielen Variationen, Sauergemüse, Kompotte, Marmeladen in allen Varianten, Weingelees, Sirupe, Neuentwicklungen wie die Schoko-Frucht Kombinationen neben echten Klassikern wie Zwetschkenröster und Powidl.

Jetzt - Anfang November ist natürlich der achteckige Staud’s Weihnachtskalender ein Blickfang im Geschäft. Heuer ist man musikalisch unterwegs – Genuss mit allen Sinnen sozusagen. 

Ich verabschiede mich von Stefan Schauer – überzeugt  - die außerordentliche Qualität der Produkte ist zu allen Jahreszeiten einen genussreichen Spaziergang in den Staud’s Pavillon wert. 

 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at

Das langsamste Slowfood der Welt - Gugumuck's Wiener Schnecken

Gugumuck’s Wiener Schneckenmanufaktur ist inzwischen nicht nur in Wien in aller Munde. Ich will wissen, wie so eine Schneckenfarm funktioniert und suche auf dem WIEN PRODUCTS Stadtplan die Adresse heraus. Dann mache ich mich auf den Weg nach Favoriten in die Rosiwalgasse 44. Als ich aus dem Auto steige, glaube ich mich bereits am Land – rundherum Wiesen und Felder und mittendrin wachsen die Schnecken am Hof von Andreas Gugumuck. Dieser begrüßt mich herzlich und erklärt mir anhand von zahlreichen alten Fotos, wie es hier am Hof seiner Vorfahren mal ausgesehen hat.

Dann verlassen wir den Hof, überqueren die Rosiwalgasse und stehen mitten im Futuregarden – ein Thema, auf das wir später noch zu sprechen kommen. Wir gehen über eine Wiese, links von uns wachsen Uhudlerreben – ich darf einige Isabellatrauben kosten – ein einmaliger Genuss. Dann sind wir auf der Schneckenfarm. Hier werden gerade die letzten Schnecken für heuer „geerntet“. Den großen Exemplaren schlägt morgen, am Schlachttag, ihr letztes Stündlein – die kleineren werden gesammelt und verschlafen den Winter im gleichmäßig temperierten Keller, wo die Schlafnetze an der Decke hängen. Ein neuer Versuch, wie mir Andreas Gugumuck erzählt. Überhaupt ist hier Pioniergeist gefragt, es wird viel geforscht und ausprobiert. Ich wundere mich, dass die Schneckenfarm, auf der die delikaten Tiere heranwachsen, relativ klein ist und werde aufgeklärt. Auf den 2000qm erzeugt man – ohne der Natur durch tierische Abgase oder Ähnlichem Schaden zuzufügen - eine Tonne Muskelfleisch pro Jahr, das auch noch beste Qualität aufweist und als Zukunftsnahrung betrachtet wird.

Ich bin ziemlich sprachlos und lasse mir Aufzucht und Verarbeitung genau erklären.

Als Lebensmittel hat ja gerade die Schnecke in Wien eine ruhmreiche Geschichte, an die man heute gut anknüpfen kann. Die Tiere sind inzwischen so beliebt, dass Andreas Gugumuck für kommendes Jahr eine Art Buschenschank plant, die gerade im Garten entsteht. Einen eigenen Wein gibt es inzwischen auch schon. Hier wird auf höchste Qualität aus Wien und der nahen Umgebung gesetzt. Überhaupt geht man gern Kooperationen ein, um Handwerk, Tradition und Innovation zu promoten. So entstand beispielsweise mit der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ein Gugumuck – Schneckenteller, der sogar einen eigenen Stempel als Marke trägt.

Während wir uns unterhalten, sehe ich ständig Kunden in den Shop am Gugumuck Hof gehen. Die Schnecken scheinen sehr beliebt zu sein - was Hauskoch Dominic Hayduk kreiert  und das später in Gläser abgefüllt und verkauft wird, hat viele Fans. Zweimal im Monat gibt es ein Schneckenmenü – jeder Gang eine spannende Kreation mit dem besonderen Slowfood. Man muß schnell sein – die 28 Plätze im Restaurant im ersten Stock sind über Monate ausgebucht.

In der Wiener Küche hat das langsame Tier mit dem Häuschen, das auch als „Wiener Auster“ bezeichnet wurde eine lange Tradition. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden sich ganz selbstverständlich in Kochbüchern Rezepte für Schneckenknödel, Schneckenpasteten und gespickte Schnecken bis hin zu Schneckenwürsten. Der Wiener verspeiste sie angeblich am liebsten mit Kren oder Weinkraut. Auch Schneckeneier waren eine beliebte kleine Wirtshausspeise: Hartgekochte Hühnereier wurden in der Mitte geteilt, der Dotter herausgenommen, die Ausnehmung mit einer gekochten Schnecke gefüllt und mit dem pikant abgerührten Dotter bedeckt.

Apropos Schneckeneier oder Schneckenperlen, wie sie am Gugumuck Hof genannt werden – diese werden ebenfalls gewonnen und sind eine echte Delikatesse. Viele Feinschmecker aus dem In- und Ausland schwören auf die Schnecken vom Gugumuck Hof – diese werden rein biologisch ernährt, bevorzugt mit frischen Gemüsepflanzen aus eigenem Anbau, ergänzt wird mit Getreide und Kalk. Das Schneckenfleisch hat – und das wissen nur wenige – einen doppelt so hohen Eiweißgehalt wie Rindfleisch, benötigt bei der Aufzucht pro Kilogramm Muskelfleisch jedoch 85 % weniger Futtermittel als Rinder.

Das klingt alles ziemlich überzeugend – zumal es gerade im urbanen Bereich wie Wien interessant ist, über die Ernährung der Zukunft nachzudenken. Andreas Gugumuck geht da als Pionier eigene Wege und hat sich mit Wissenschaftlern zusammengetan, um konkret zu forschen und Projekte wie den Future Garden zu entwickeln. Nachhaltigkeit und Schonung der natürlichen Ressourcen spielen eine wesentliche Rolle. Die im Frühjahr und Sommer angebotenen wöchentlichen Führungen über die Schneckenfarm sind beliebt – ein erstes Seminar zur Schneckenzucht im September war sehr schnell ausgebucht.

Wir gehen zurück auf den Hof und ich darf in der Küche Dominik Hayduk über die Schulter schauen. Der ambitionierte Koch bereitet gerade ein Schnecken-Jus vor – es riecht unglaublich aromatisch. Produktentwicklung wird groß geschrieben – Neues ausprobiert und diskutiert, bevor es in den Verkauf kommt. Viele Gastronomen sind begeisterte Kunden und bieten das Slowfood, dass seinem Namen alle Ehre macht, österreichweit nicht nur zum Schneckenfestival im September oder als besondere Fastenspeise an.

Als ich mich von Andreas Gugumuck verabschiede und beeindruckt vom Erlebten den Heimweg antrete, weiß ich genau – dieQualität aus Gugumucks Wiener Schneckenmanufaktur ist in jedem Fall und zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang in die Rosiwalgasse wert. 

Dieser Blogbeitrag entstand im Auftrag der WIEN PRODUCTS. www.wienproducts.at