Born to be alive

Irgendwann kommt man auf diese Welt und nach mehr oder weniger Jahren auch endlich bei sich an.

Manchmal sitze ich draussen, schau in den Himmel und versuche mich zu erinnern, wie sich als Kind oder in verschiedenen Lebensaltern das Leben angefühlt hat – wie ich die Welt aus meiner Perspektive gesehen habe.

Manches bleibt gleich – ich staune noch immer im Frühjahr über die erwachende Natur, freue mich, wenn die Amsel in der Früh ihr Lied vor meinem Fenster schmettert und liebe es, den Himmel zu beobachten.

Anderes ändert sich. Dinge, über die ich mich richtig aufregen konnte, werden seltener. Vieles betrachte ich inzwischen aus einer gewissen Distanz, gelassener und weniger aufgeregt. Wobei ich immer noch neugierig bin auf das Leben, Menschen und die Welt.

Ich gehe nur sorgsamer damit um – es könnte schneller beendet sein, als einem lieb ist. Ich weiß das - es gibt bereits einige große Lücken im Freundeskreis – und bin froh, dass mir großartige Erlebnisse und Verrücktheiten im Gedächtnis bleiben werden.

Was macht das Leben aus? Doch vor allem die Menschen, mit denen man sich umgibt und die einen umgeben. Es gibt einige wenige, die ich als Freunde bezeichne – mit diesem Wort gehe ich alles andere als inflationär um. Die große Bussi Bussi Gesellschaft ist mir recht wurscht, meine Zeit zu schade für oberflächliches Blabla.

Viel lieber verbringe ich diese mit Leuten, die etwas zu sagen haben, ehrlich und ungeschminkt, die goschert sind und sich selbst treu, unangepasst, mit Ideen und Phantasie gesegnet. Diejenigen, die Risiken mittragen und Erfolg teilen können, die freigiebig sind mit Wissen und Fehler eingestehen, die verzeihen können.

Manche dieser Menschen begleiten mich schon über 30 Jahre – mal abgesehen von der Familie sind sie die wichtigsten Menschen und Gradmesser, Mittrinker und nahe/ferne Lebensbegleiter. Ein dankbares Prost auf Euch! UND ALLES WIRD GUTh!

Ikonen, Vorbilder und Angehimmelte

Irgendwie hat ja jeder so seine ganz persönlichen Helden. Ganz Junge himmeln meist die Eltern an, Papi ist der Held, weil er einen in die Luft wirbelt und im Ernstfall auch mit einer Hand wieder auffängt. Mami ist die Schönste weit und breit und überhaupt anbetungswürdig, weil sie alles unter einen Hut bringt. Später gibt es Idole aus Musik und Film, die Kinderzimmer werden gepflastert mit diversen Postern und man sieht und hört nichts anderes als diese/n eine/n – inzwischen soll das ja auch für diverse Blogger jüngeren Jahrgangs gelten...

Später entsteht um einen herum ein Hype um irgendwelche Menschen, die irgendwie ganz oben sind. Wurscht, welcher Lebensbereich. Ist eh alles online zu verfolgen. Menschen kommen und gehen. Heute Held, morgen Loser. Die Welt kennt keine Gnade im Urteil, orientiert sich oft am Mainstream und ist über weite Strecken oberflächlich.

Viele empfinden sich selbst als Star, brauchen Jet Set und wollen bewundert und angebetet werden. Bei den meisten frage ich mich – worin die besondere Leistung besteht.... 

 Hat man endlich ein gescheites Alter erreicht und blickt zurück auf die Helden seiner Kindheit und Jugend, gibt es viele davon nicht mehr, weil die passenden TV Sender eingestampft wurden, sich die Welt weitergedreht hat und einige in der Versenkung verschwunden sind. Andere  würde man nicht wiedererkennen, weil deren Leben eine ungeahnte Wendung nahm. Shit happens.

Und dann gibt es die, die man schon immer bewundert hat, die noch da sind. Leise und unaufgeregt ihr Leben leben und erstaunliche Dinge machen – Tausende begeistern und menschlich großartig, zurückhaltend geblieben sind.

Ich war irgendwie nie so superbegeistert von Rockstars und Sternchen, Massenhysterie ist mir immer fremd geblieben. Mich haben oft Menschen beeindruckt, die eher nicht so laut auf die Pauke gehauen haben und wenn – dann hatten sie triftige Gründe. Was sie jedoch gemeinsam haben, ist Charakter – es sind im besten Sinne Humanisten. Mit einem bewegten Leben und außergewöhnlichen Erfolgen.

Menschen wie Armin Mueller Stahl undMariss Jansons begeistern mich seit vielen Jahren nicht nur mit ihren Fähigkeiten, sondern mindestens ebenso mit ihrer zutiefst menschlichen Art.

Beides Künstler – der eine Musiker und einer der besten Dirigenten, den die Welt derzeit hat, der andere Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und Maler.

Beide sind ihren Weg gegangen, haben ihre Ziele verfolgt, mit den Systemen gekämpft, sich selbst hohe Anforderungen gestellt und an sich gearbeitet. Sie sind jenseits der siebzig und achtzig, könnten sich längstens auf ihren Lorbeeren ausruhen. Tun sie aber nicht. Sie machen weiter, entdecken Neues, bleiben sich selbst treu und bieten ausreichend Stoff zum Nachdenken. Ich bin froh, sie erleben zu können. Und ja- ich verehre sie.

Zu wissen, dass es solche Leute gibt, bedeutet: UND ALLES WIRD GUTh!

 

Postkarten

In Zeiten des schnellen Überfliegens, Bilderschauens und hastigen Wischens ist es schon fast ein Wunder, Handgeschriebenes im Postkasten zu finden. Freimütigst bekenne ich mich zur analogen Lesesucht. Ich brauche meine Zeitung in der Früh - auf Papier. Ich liebe Magazine und gut gemachte Journale, die sorgfältig recherchierte Themen anbieten. Gern auch mit Bildern. Brand Eins zum Beispiel ist meine monatliche Dosis Wirtschaft in angenehmer Leseform. Seitenspiegel, Schrift, der Kontrast unschlagbarer Genuss.  Das alles kann man im Sekundentakt auch digital haben - beruflich nutze ich das eh und gehe auch immer besser damit um.

Privat jedoch mag ich das Analoge, Langsame. Die Haptik von Papier, dessen Geruch und das Gefühl, Seiten umzublättern, ein Lesebändchen zwischen die zuletzt gelesenen Kapitel zu spannen- unschlagbare emotionale Momente - abgesehen vom Inhalt der Bücher.  Nicht nur beim Lesen, sondern auch beim Schreiben genieße ich  Papierqualität und Motorik, die es braucht, um Seiten zu füllen. Gedanken fließen praktisch ohne Umwege auf das Papier. Außerdem bleiben die Hirnhälften aktiv und die schreibende Hand in Schwung. Persönliche Botschaften schreibe ich am liebsten per Hand. Denen, die es zu schätzen wissen. Klar, ein WhatsApp , eine SMS oder eine mail sind schneller am Ziel und ja, auch die können nette Inhalte haben. Wirklich persönlich ist es aber von Hand geschrieben.

Deshalb wünsche ich mir auch meist Postkarten von denen, die auf Reisen gehen. Oft trudeln die erst ein, wenn die Reisenden längst wieder daheim sind, die Urlaubsbräune bereits wieder schwindet  und die digitalen Fotos eh schon auf allen sozialen Kanälen gepostet wurden. Dann öffne ich den Briefkasten und fische eine Postkarte hervor. Mit Grüßen von nahen und fernen Orten. Ich stelle mir dann immer vor, wie die Postkarte gereist ist. Erst im Postauto vom Briefkasten zum Postamt, dann weiter mit dem Zug - oder gar per Flugzeug...wieder ein Postauto, Kilometer Sortieranlagen und zu guter Letzt im Wagerl vom Postboten, der inzwischen fast ausschließlich Überbringer von Rechnungen und Werbung ist - was ihn nicht wirklich glücklich machen kann....

Egal, eines Tages also halte ich die weit gereiste Karte in Händen und freue mich über die spezielle Botschaft. NIMM DAS! schreibt zum Beispiel meine Lieblingsnachbarin aus Venedig auf eine sagenhaft schöne Postkarte. Wenn diese dann an einem trüben Novembertag bei mir eintrudelt und ich den Duft der weiten Welt spüre, weiß ich: UND ALLES WIRD GUTh!

Ich habe Schrauben locker...

Irgendwas ist immer. Jo eh. Zu tun. Und dann passiert bei Anhäufung von vielem Tun auch wieder was, das den gerade gemachten Plan in Luft auflöst. Heutzutage muß man ja flexibel sein wie ein Gartenschlauch (der Ausspruch gehört Herrn T.W. - ich mag ihn aber sehr). 

Gerade war noch spätes Frühjahr, dann ritt der Sommer ins Land und nun sind von der wärmsten Jahreszeit nur noch alte Weiber übrig. Trotzdem- wunderbares Licht, das ich gern an der frischen Luft genieße, um die Terrasse so langsam für die kalte Jahreszeit herzurichten. War eigentlich anders geplant - stormy weather hat jedoch einen Baum samt Kübel zu Fall gebracht, Umtopfen also. Und wenn man einmal beginnt, kommt eines zum anderen. Hier umtopfen, da verwelkte Blüten abschneiden, ach ja- der Thymian ist auch seiner Behausung über den Kopf gewachsen- na gut, der auch noch und wenn man gerade dabei ist...zwei riesige Basilikumsträucher ernten sich Blatt für Blatt sogar in entspannter Haltung ab. 

Ich bin jemand, der solcherlei Arbeiten überwiegend als Entspannung sieht. Und ja - selbst gemachte Delikatessen sind immer besser als schnöde gekauftes Zeug. Irgendwie hat jedes Ding seine eigene Geschichte und man weiß, was drinnen ist. Es macht einfach ein gutes Gefühl, selbst etwas herzustellen. Also Pesto mit großzügiger Zugabe von Pignoli, bestem Olivenöl, gereiftem Parmigiano und Muskelkraft.  

Überhaupt bringt einem Arbeit an der frischen Lust den sprichwörtlichen Boden unter die unbeschuhten Füsse. Man nimmt Natur wahr, statt unentwegt auf den Bildschirm zu starren und mehr oder weniger schlaue Sachen ins Telefon zu sprechen oder Termine zu verhandeln. Die letzten Bienen genießen die zweite Lavendelblüte oder laben sich an der Pfefferminze, die Schwalben sind schon wieder gen Süden gezogen - stattdessen streiten sich die Krähen lauthals um die besten Aussichtsplätze....  Und ich grabe kontemplativ in der Erde, nehme den Duft der Kräuter war und freue mich über den prächtigen Himmel, die Sonne und des Lebens. 

...zu guter Letzt werden auch noch die zwei fehlenden Schrauben in den kleinen Tisch gedreht, jetzt wackelt er nur mehr ein wenig- der alte treue Begleiter. Gut, dass ich manchmal ein paar Schrauben locker habe - das bringt mich dazu,  dem Leben meine Aufmerksamkeit zu schenken...UND ALLES WIRD GUTh!

 

Gelassenheit oder wie sich ein totes Huhn in Luft auflöst

Der Mensch strebt nach Höherem. Meistens zumindest. OK, in meinem persönlichen Umfeld schon irgendwie. Jeder hat Pläne - manche sind Kindheitsträumen entsprungen und manche entstehen erst mit fortschreitendem Alter. Manchmal wünscht man sich auch einfach, in Ruhe gelassen zu werden mit dem schneller höher weiter. 

Und doch sind es immer wieder Projekte, bei denen man sich selbst besser kennenlernt. Oft hält einem das Leben einen Spiegel vor's Gesicht und man erkennt, dass man sich mal wieder in einem Verhaltensmuster befindet. Zwei rechts, zwei links und dann zwei fallenlassen. Wäre es so einfach, das Leben wäre fad. Viel spannender ist es, sich im Zusammenspiel von mehreren sehr unterschiedlichen Charakteren zu beobachten und zu erkennen, wie wer funktioniert. Hat man sich auf ein gemeinsames Ziel verständigt, denken alle Beteiligten in allerbester Absicht in die vermeintlich gleiche Richtung. Da jeder jedoch eine ganz eigene Geschichte hat und seine ureigene Phantasie, kommen interessante Bilder zustande im Kopf jedes Einzelnen, die keineswegs deckungsgleich sind. In jeder Phase der Umsetzung wird ein anderer die Führung übernehmen und das Ganze durch die Stürme des Alltags lenken. Nur dann wird es gut - man trifft sich auf Augenhöhe und vor allem die Vielfalt der Gedanken lässt ein Projekt vielschichtig und erfolgreich werden. Zusammen ist man immer besser als allein und jeder Beitrag zählt - was vor allem mit Respekt zu tun hat.

Ein Mann, den ich sehr schätze und von dem ich viel wirtschaftliches Denken gelernt habe, hat mir vor 17 Jahren mal gesagt, dass man im Leben Demut und Gelassenheit braucht - neben einem gesunden Menschenverstand. Das mit der Demut habe ich relativ schnell begriffen - die Gelassenheit dümpelt irgendwo vor sich hin. Manchmal braucht es mehrere Stimmen, bis sie sich endlich zu mir bewegt.

Bin ich deshalb unentspannt? Ach was - Neugier kennt halt keine langsam vor sich hintröpfelnde Zeit und schert sich nicht um ewige Gedankenwälzerei - Spontanität und Ideen sprudeln nur so hervor, vermengen sich im gedanklichen Netzwerk und sind praktisch sofort und ziemlich zügig umsetzbar. Das hat enorme Vorteile - wenn man sich für Vieles interessiert und kommunikativ ist. Genau deshalb mache ich beruflich das, was ich am besten kann - kreativ und kommunikativ sein mit Menschen, die gestalten. Entweder ganz oder gar nicht - keine halben Sachen - Herzblut literweise. Und gern die volle Verantwortung. Perfekt soll es sein- das Ergebnis. Und pünktlich abgeliefert. Damit das passiert, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Weil - ich war noch nie mainstream oder Mittelfeld. NIEMALS.

Das ist der Punkt, an dem ich gerade arbeite.

Gelassenheit.

Wird schon. Es ist sehr entspannend. Wenn ich so weitermache, glaube ich an den ganzjährigen Urlaub beim arbeiten. Brauch ich nur noch das Meer mit dem Duft der Macchia. UND ALLES WIRD GUTh!

 

 

 

 

 

 

 

Jagdfieber nach dem ultimativen Schätzchen

Jeder hat seine bevorzugten Nah- und Fernversorger, wenn es um Waren des täglichen Bedarfs (bei manchen fallen Bücher und Schuhe in diese Kategorie) oder Dinge geht, die man gern hätte. Es gibt Geschäfte, die mag ich einfach - sie sind schön gestaltet, die Verkäufer lassen mich in Ruhe schauen und sind bei Fragen kompetent und wissen, wie man Dienstleistung buchstabiert. Ich liebe Menschen, die wissen, wovon sie reden und die mir Geschichten über die Dinge erzählen können - also über den 0815 Tellerrand schauen. Gibt es nicht oft, wenn man lang genug sucht, trifft man sie im Handel - authentisch, bodenständig und doch mit einer besonderen Aura. 

Circa einmal im Jahr begebe ich mich jedoch in Jagdreviere, die ich nicht kenne - es ist ein wenig Abenteuerlust und die mich lebenslang begleitende Neugier nach Dingen mit Geschichte und den Menschen dahinter. Ich rede vom Handel im Halbdunkel unter freiem Himmel - dem Floh-, Antik- oder Trödelmarkt. Immer wieder erstaunt es mich, was da alles angeboten wird - dieses Erstaunen wird nur übertroffen von den Menschen, die jagen und sammeln, handeln und verhandeln. Ich werde aufgeklärt, dass man sehr früh da sein muß, wenn die Öffnungszeiten mit 8.00 Uhr angegeben werden, entlockt das dem Profi ein müdes Lächeln, zu dem ich mich um 4.30 Uhr in der Früh erst überwinde. Die ersten können aus dem besten Angebot wählen. Offensichtlich ist irgendwie alles erlaubt auf diesen Handelsplätzen, die sich schon mal über einige Hektar erstrecken können und auf denen sich die erstaunlichsten Typen aus Gegenwart und Vergangenheit herumtreiben.

Eines ist jedoch allen gemein - in ihren Augen leuchtet die Gier, von ihr sind sie angetrieben, wenn sie sich in aller Herrgottsfrühe mit Stirnlampe und Laufschuhen um die Angebote scharen. Gier in vielen Facetten....Neugier, Wissbegier und ja - auch die Habgier. Da wird gedrängelt und verhandelt,werden im Laufschritt mit Karren und Helfern die Schätze abtransportiert und an anderer Stelle einige Stunden schon wieder zum Verkauf angeboten... Da gibt es wirklich Trödel vom Dachboden und aus Verlassenschaften neben ausgesuchten Antiquitäten, Büchern, Möbeln und Sachen, die man nicht mal geschenkt haben möchte. Besondere Stücke wechseln etwas abseits im Flüsterton die Besitzer....

Zugegeben, ein ungewohntes Terrain - spannend ist es allemal. Ich liebe es, langsam über diese Megaplätze zu schlendern, Kurioses und Schönes zu entdecken und Dinge zu kaufen, die ich eigentlich nicht brauche. Das Beste allerdings sind die Gespräche, die ich mit den Verkäufern führen kann, die mir Geschichten - wahr und falsch erzählen, Preise verhandeln und ein Stück ihrer Lebensgeschichte preisgeben. Wenn die Füße schmerzen, kaufe ich mir eine rote Fassbrause (jaja, wir sind in Deutschland) und was zu essen - das ich schon als Kind mochte, setze mich irgendwo unter die Bäume an einen Tisch und genieße das Stimmengewirr um mich herum. Da wird gefachsimpelt und übertrieben, empfohlen und abgeraten, zu Eroberungen gratuliert und über die Zukunft spekuliert. Ein wenig fühlt es sich an wie Goethes Osterspaziergang...zufrieden jauchzet gross und klein - hier bin ich Mensch- hier darf ich's sein. An solchen Tagen bin ich mir ganz sicher - UND ALLES WIRD GUTh!

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schau genau  

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Moneypennys Schaltzentrale vs. Müller’s Büro

Einige sind echt antik. Andere stehen gern in Kaffeehäusern herum. Neuerdings auch in shared spaces und creative labs – die meisten jedoch fristen ein langweiliges Dasein in Büros von Beamten und Hofräten. Sogar der UHBP hat einen hinter der Tapetentür – munkelt man. Und da sind wir schon im Epizentrumder Macht.

Schreibtische – an sich ein Produkt, das man vom blaugelben Anbieter bis zum Exklusivmöbelhändler kaufen kann – mit kleinen und großen Unterschieden. An manchen von ihnen wird tatsächlich gearbeitet – an anderen Macht demonstriert. In mini tragen sie dazu bei, dass junge Menschen Schulaufgaben erledigen – manchmal rutscht ein Buntstift aus und gleitet – geführt von einer kleinen Hand munter über die Tischplatte – verwandelt echte oder unechte Oberflächen in Labyrinthe, aus denen man nur mit Zauberkraft entweichen kann-Phantasie in ihrer ursprünglichsten Form. Ältere Finger hacken meist nervös auf mehr oder weniger klappernden Tastaturen herum – die wenigsten Hände sind noch in der Lage schön zu schreiben – die kritzeln höchstens nervös Männchen oder noch nervöser Zahlen auf meist hässliche Unterlagen, die eine noch hässlichere Oberfläche vor Zerstörung schützen soll.

Schaut man sich mal um, gibt es auch technische Raffinessen bei Schreibtischen – hätte James Bond einen, könnte der sich wahrscheinlich zu Land, zu Wasser und in der Luft bewegen und hätte eine ewig junge Moneypenny eingebaut.... Da ja die Gesundheitsapostel immer wieder vor zu langem Herumsitzen warnen, gibt es Schreibtische, die man auch im Stehen bedienen kann – mit mechanischen oder – oha – auch elektrischen Aufzugsmotoren ausgestattet. Es gibt rechteckige Exemplare und geschwungene – manche lassen sich freiwillig aneinander ketten, um vielen Menschen nebeneinander und gegenüber Platz zu bieten- die befinden sich meist in Großraumbüros. Seit kurzem haben Banker der ERSTEN nicht mal mehr einen eigenen Schreibtisch – die setzen sich einfach an einen, der gerade frei ist wenn sie im Büro sind und nicht unterwegs. Schade eigentlich – denn ein wesentliches Merkmal von Schreibtischen sind ja die Dekorationen ober- und unterirdisch, an denen man dessen Nutzer erkennt. Familienfotos im Silberrahmen findet man eher im Chefbüro – der Boss zeigt was er hat und selten zu Gesicht bekommt. In anderen Abteilungen fristen Radios, mehr oder weniger lebendige Grünpflanzen, seltsame Stiftbecher mit noch seltsameren Aufschriften (Mäuse, Sprüche aus den 70igern) neben unübersehbaren Aktenstapeln, Ablagekästen aus vielfarbigem Kunststoff und Schalen mit Millionen Büroklammern ein trostloses Dasein beleuchtet von kaltem Neonlicht. Unterirdisch versammeln sich Lurch und Alltagsgegenstände in Schubladen. Tristesse.

Ich hab es ja gern anregend – bei mir sieht es immer mal wieder wild aus am Schreibtisch. Da stapeln sich Materialmuster neben Designjournalen, liegen Rechnungen neben meinem allwissenden Notizbuch. Es gibt aber immer freie Sicht auf den Bildschirm, die Tastatur ist ebenfalls unbelegt und dahinter spannt sich der Blick über ein paar Dächer ins Grüne bis zur Sophienalpe. Ein kleiner Eimer – rot mit weißen Punkten beherbergt mindestens 100 Stifte – bunte und solche mit Bleiminen, Scheren und ein paar Pinsel. Und daneben steht mein Lieblingskleber – Coccoina. Unschlagbarer Duft nach Mandeln – Suchtpotential seit Kindertagen. Hier ist meine Denkzentrale – die ernsthafte.

Manchmal denke ich auch draussen beim Unkrautjäten, das hat was Kontemplatives. Wenn mir Lösungen eingefallen sind, setze ich mich an den Schreibtisch. Es ist ein einsames Arbeiten  das ich sehr schätze. Jahrzehnte in Angestelltenbüros waren eine gute Erfahrung – Arbeiten hier ist ein Vergnügen: eigener Schreibtisch, eigene Perspektive, eigene Projekte. Wenn die Ideen, am Schreibtisch gesponnen, aufgeschrieben und mit genialen Partnern umgesetzt funktionieren, weiß ich: UND ALLES WIRD GUTh!

Kurvendiskussionen

Kurven können was. Manchmal ernten sie anerkennende Pfiffe oder gemurmelte Lobpreisungen ihrer Betrachter. Kurvenreiche Strecken in landschaftlich schönen Gegenden (kurz vor Kapstadt von der Gardenroute kommend oder zwischen Bosa und Alghero auf Sardinien zum Beispiel) lassen Cabriofahrerherzen höher schlagen und motorisierte Bikerboys sehnsüchtig Urlaubskalender konsultieren. Manchmal entstehen aus dem Nichts mittels PushUp Kurven – manchmal fiebert man in Kurven. Das Leben ist eben ein ständiges Auf und Ab.

In der Mathematik ist eine Kurve (von lat. curvus „gebogen, gekrümmt“) ein eindimensionales Objekt. Sagt Wikipedia und führt weiter aus: Eindimensional bedeutet dabei informell, dass man sich auf der Kurve nur in einer Richtung (bzw. der Gegenrichtung) bewegen kann. Ob die Kurve in der zweidimensionalen Ebene liegt („ebene Kurve“) oder in einem höherdimensionalen Raum (siehe Raumkurve), ist in diesem begrifflichen Zusammenhang unerheblich. Je nach Teilgebiet der Mathematik gibt es unterschiedliche Präzisierungen dieser Beschreibung.

Da ich jedoch keine Mathematikerin bin, sondern in erster Linie Liebhaberin schöner Dinge, die mit Hirn entstanden sind- wende ich mich in einer großräumigen Kurve vom Zahlensalat ab. Ich mag Kurven. Die lockern eckige Sachen auf, wobei immer nur rund ist auf Dauer auch langweilig – ausgewogen wäre perfekt.

Als Kind fand ich Schaukelstühle super – Kurvenfüsse hat nicht jeder Sessel. Die gebogenen Kufen machen, dass man – je nach Temperament ziemlich ins Schaukeln kommt. Bisweilen wurde mir schlecht, weil ich es übertrieben hatte. Schaukelstühle sind die Drehstühle für daheim- im Bürodrehstuhl kann man nebenbei leichte Bewegungen um die eigene Achse vollführen bei gleichzeitigem Absenken der Lehne nach hinten - eine meiner Lieblingsbewegungen in Schreibpausen. Im  Schaukelstuhl dagegen bewegt man sich sanft vor und zurück – je nach Kurvenkrümmung und Kufenlänge sind das bisweilen ausdauernde Schaukeleien.

All diese Bewegungen lenken ab vom schnell vorwärts und zackzack – auch der Erwachsene will eine Art Schaukelpferd haben – das einem vorgaukelt, durch den wilden Westen zu jagen, während man in Schruns Tschagguns auf der Auslegware vor sich hin wippt. Schaukeln dient der Entspannung, Kinder wiegt man gern in den Schlaf – man wird müde durch das monotone Auf und Ab.... Wahrscheinlich schaltet das Hirn ab, bevor es ständig registriert, ob es nun in die eine oder die anderer Richtung geht.

Wo sitzt also der passionierte Schaukelfreak heute? Möglicherweise in einem Erbstück aus gebogenem Buchenholz von Thonet. Oder aber in einem modernen Wippmöbel. Vitra hat den Plastik Chair mit Kufen ausgestattet, Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand haben 1928 ihre LC4 kreiert, die irgendwie auch an ein Schaukelmöbel erinnert. Heute nennt man den Schaukelstuhl kosmopolitisch rocking chair und es gibt ihn in Holz, Kunststoff und Beton – für innen und aussen zum Alleinschaukeln oder für zwei. Wir sehnen uns also nach diesem sanften Auf und Ab, wenn die Nachfrage steigt, werden neue Modelle auf den Markt geworfen. Man kann im Schaukelstuhl im Prinzip nichts tun ausser in die Luft schauen; lesen ist eher was für starke Nerven und trinken nur wirklich geübten Akrobaten möglich.

Deshalb – wer gerade zu Wutausbrüchen, Überarbeitung oder Urlaubsreife neigt – setze sich bitte flugs in einen Schaukelstuhl, schwinge ein wenig schweigend vor sich hin- keine Sorge, es dauert nicht lange...UND ALLES WIRD GUTh! 

Dolcefarniente

Nachdem die Eisheiligen nun endlich von dannen gezogen sind und es sich anfühlt, als würde demnächst Sommer werden, bevor sich die Tage ab Ende Juni wieder verkürzen - beginnt auch die Stöhnerei über eventuell auftretende unerträgliche Hitze und dass man sich plagt mit dem Business und überhaupt. Wir leben leider wettertechnisch gesehen in einer Klimazone, die nicht soooooo übermäßig mit Wärme gesegnet ist und es außerdem als üblich gilt durchzuarbeiten because of schneller, höher weiter – eh schon wissen. Ich selbst bin jemand, der Pünktlichkeit schätzt und zumindest innerlich auszuckt, wenn Dinge ewig nicht fertig werden oder sich Menschen nicht festlegen und immer so um alles herumlavieren, was Termine angeht. Andererseits pocht in mir auch irgendwie ein Herz, das ständig nach Süden und dem Meer schreit, das gern leben würde imLand, wo die Zitronen blühn’. Ach wäre das herrlich. Magari. Man soll ja Träume haben im Leben.

Wenn die Mittaghitze flirrt über den Olivenbäumen, die Macchia ihren Duft verströmt, die Vögel schweigen...ist Zeit für eine Pause - besonders nach einem Mahl draussen im Schatten eines Baumes. Man zieht sich für ein Stündchen zurück und tankt Kraft für den zweiten Teil des Tages. Vielleicht in einer Hängematte, die sanft schaukelt im Schatten der Bäume. Ein Königreich für ein Daybed, Kanapée, eine Ottomane oder Récamière.

Egal wie sie heißen – sie alle sind gemacht für entspannendes Rasten untertags – man ruht halbliegend oder ganz ausgestreckt, schließt die Augen und tagträumt. Im Innern der Behausung bewegt vielleicht ein Deckenventilator die Luft und sorgt für angenehme Kühle; durch Holzjalousien blinzelt die Sonne und malt herrliche Muster an Wände und Decke... Allein die Vorstellung ist großartig. Da ich genau weiß, wie mein Traumhaus aussehen würde – ein altes Kloster oder so – nix Fertigteilchalet - spinne ich manchmal die Einrichtung zusammen. Und ganz sicher gäbe es Ruhestätten für den Tag.

Was dem Alpenländer sein Bankerl unter’m Herrgottswinkel ist dem Südländer seine Ruhestatt. Schauen wir uns mal um, was es da so gibt. Die berühmte Liege PK 80 von Poul Kjaerholm ist großartig – perfekt für Urbanisten im Großstadtdschungel. Die Hängematte ist - wie schon erwähnt  - für schattige Außenposten wunderbar; wahrscheinlich fühlt sich auch der Skipper wohl, wenn es schaukelt. Und sonst so? Es gibt wunderbare Vintagestücke und Klassiker – nehmen wir mal Eileen Grey’s Daybed – ein all-time Favourite.

Das Wort Ottomane kommt angeblich aus dem Türkischen- offenbar hatte man auch dort eine Vorliebe für Mittagsruhemöbel. Heute machen sich alle möglichen Hersteller Gedanken um unsere heilige Ruhe – meist bezieht sich das allerdings nur auf Ferien oder die Wochenenden – dafür darf man auf diesen Stücken dann drinnen oder auch draussen ruhen. Minotti hat da einiges im Angebot – Herr Starck hat etwas für Dedon gestaltet und Moroso offeriert ebenfalls bequeme Liegen.

Im Grunde genommen scheitert die geruhsame Mittagspause hierzulande an der Gepflogenheit, innerhalb maximal einer Stunde in ein hippes Lokal zu rennen, sich schnell ein Menü zu bestellen – selbiges herunterzuschlingen und kaum ist der Espresso getrunken- wieder zurück an den Schreibtisch zu spurten.

Weiter südlich hingegen erstrecken sich Mittagspausen über mehrere Stunden, man geht nach Hause, lässt sich ein wunderbar frisches Essenvon Mamma schmecken und macht dann einen pisolino. Klingt doch super und ist erholsam. Ich bin dafür, ab und zu ein wenig kosmopolitisch zu leben, sagen wir mal im Sommer. Ich lege mich auf eine schattige Liegestatt, schließe die Augen, buchstabiere genüsslich d o l c e f a r n i e n t e und bin sicher: UND ALLES WIRD GUTh!

 

 

Durchblicker

Bei Nebel ist es wurscht. Man sieht eh so gut wie nichts. Bei Regen detto. Aber wehe die Sonne scheint. Ok - steht sie hoch am Himmel ist es noch ganz ok, sinkt sie jedoch – kommt das gesamte Ausmaß zum Vorschein- dreckige Fensterscheiben.

Ich. Hasse. Das.

Zugegeben, ich schreie laut hier und bitte so viel wie möglich, wenn es um Licht geht, das von außen kommt. Diese riesigen Glasflächen haben aber eben auch einen Nachteil, man sieht den Dreck großflächig. Quadratmeterweise rückt das Übel ins Blickfeld – natürlich auch weil es keine Vorhänge und anderes Gedöhns gibt. Ich könnte verdunkeln, einfach die Außenjalousien runterlassen, dann ist der Dreck nicht sichtbar. Irgendein Designonlineshop verkauft Wischtücher mit der Aufschrift: „Dreck, den man nicht sieht ist sauber!“. Dem stimme ich in vollem Umfang zu. Aber nur so lange, bis ich genug habe. Dann muss es sein. Fensterputzen. Und schon taucht die nächste Frage auf – Wie? Womit? Wann? Wann ist relativ leicht zu beantworten – am besten wenn es trocken ist und die Sonne nicht direkt auf die Scheiben strahlt. Ansonsten gibt es Schlieren. Bei Regen ist es auch nicht so super. Im Winter. Na ja.

Also an einem Frühlingsmorgen – der Planet strahlt noch auf eine Schattenwand, geht es los. Kübel, Wasser, Essig, Fetzen.... Die Profis lächeln jetzt müde und verdrehen die Augen. Wer so Fenster putzt, ist selbst schuld. Mann kärchert heute. Ah so. Tut man das. Bevor Frau das Kärcherdingens zum Einsatz bereit hat und mit der entsprechenden Spezialreinigungsflüssigkeit befüllt hat- ist die Sonne schon gewandert – der Einsatz wird verschoben. Angeblich geht es ganz einfach. Meine Nachbarin war letztes Jahr begeistert von dem Putzmaschinchen. Ich bevorzuge den guten alten Gummiabzieher nachdem ich mittels einer Teleskopstange mit aufgestecktem nassen Schwamm mal den Dreck von den Scheiben gewaschen habe. Funktioniert ganz gut. Zumindest bei den ersten Quadratmetern. Nach und nach wird es mühsamer. Nicht aufgeben -  Zähne zusammenbeißen – nur die Harten kommen in den Garten. Also weiterputzen bis zum bitteren Ende. Nach 3 Stunden sind die Außengläser sauber und die Pflanztröge wieder an ihrem Platz. Innen geht sich heute nicht mehr aus. Geschafft fällt man auf die Couch – im Dunkeln sieht man den Dreck eh nicht. Am nächsten Tage regnet es selbstverständlich –immer wenn man Fenster geputzt hat. Ok, soll so sein, zumindest hat man innerlich ein gutes Gefühl. Irgendwann rafft man sich in den darauffolgenden Tagen auf und putzt zumindest den Großteil der inneren Fensterflächen.

Zumindest letztes Jahr habe ich das so gemacht. Im Spätsommer. Jetzt im Frühjahr nach Pflanzsessions und Giessaktionen sehen die Fenster auch im unteren Drittel aus wie eh schon wissen. Immer wieder wendet man den Blick beschämt ab und starrt woanders hin- oder setzt sich gleich raus, da sieht die Landschaft sauber aus. Das Gefühl, bald wieder zum Putzzeug greifen zu müssen wird täglich intensiver.

Bis man eines Tages vom Einkauf kommt und den Zettel im Lift erspäht, der die Fensterputzer ankündigt, deren Dienste man gegen Zahlung in Anspruch nehmen kann. Hach, so schnell hab ich lange keinen Stift mehr gezückt und mich eingetragen. Jetzt weiß ich – kommenden Samstag sind meine Fenster strahlend sauber – selbst wenn es dann am Sonntag regnen sollte – UND ALLES WIRD GUTh!